Jeden Monat stelle ich im Format „Lesestoff“ einige Reportagen, Interviews und Berichte aus anderen Medien vor, die mir positiv aufgefallen sind. Dabei geht es oft um Management, Führung und Wirtschaft – aber längst nicht immer. Auch in den Bereichen Kultur, Gesellschaft und Medien gerate ich immer wieder an Inhalte, die ich für empfehlenswert halte. Here we go.

Gute Stadtplanung? Gibt es tatsächlich – z.B. in Wien.

Völlig egal ob hier in der lokalen Kommune oder in den großen Städten Berlin und Hamburg: Stadtplanung, Wohnungsbau und Architektur sind stets kommunale Sprengstoffthemen. In den entsprechenden Behörden hat man es sicher nicht einfach. Ständig ist man mit den üblichen Beschwerden konfrontiert: zu teuer, zu hässlich, völlig sinnfrei. Und als Bürger denkt man sich: Ja, stimmt auch irgendwie.

Dass es auch anders geht, zeigt die Brand Eins am Beispiel Wien auf. Eine Mietpreisbremse braucht man dort nämlich nicht, dank klugem Wohnungsbau über Jahrzehnte hinweg. Till Briegleb hat für das Wirtschaftsmagazin in der Stadt der Kaffeehauskultur mal nachgeforscht, was die eigentlich anders machen.

„Das Bekenntnis zu einer Wohnraumversorgung, die der Spekulation entzogen ist, hat sich in der fast ununterbrochenen Regentschaft der SPÖ nach dem Krieg als identitätsstiftende Verpflichtung erhalten. Die Stadt hat trotz Wirtschafts- und Finanzkrisen keine einzige Wohnung an Private verkauft.“

Wien, Du hast es besser

Digitalisierung hilft – auch dem analogen Business

 

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Die neuesten Ausprägungen der Digitalisierung werden gern schwarz gemalt: Datenkraken  à la google, gläserner Bürger, NSA, BND und Co. Auf der anderen Seite die Dinge, die uns das Leben eigentlich so viel angenehmer machen: Erreichbarkeit, mal eben was googeln und alten Freunden bei Facebook schreiben. Aber wirtschaftlich wird die Online-Welt vor allem von denen vergrault, die darin eine Gefährdung sehen: oftmals leider die lokalen Betriebe. Dabei könnten gerade diese auch die Vorzüge der Digitalisierung erheblich nutzen. Nur sind in kleinen und mittleren, analogen Unternehmen sogar oft noch Begriffe wie Web 2.0 ein Fremdwort (weshalb ich das Thema auch hier im Blog schon aufgegriffen habe). Bastian Wilkat schreibt bei medium.com über Ideen, die sich analoge von digitalen Unternehmen abgucken sollten. Das sind nur Ideen, keine ausgereiften Konzepte, aber definitiv lesenswert.

„Jeder Gast erhält zum Abschied das Rezept des verzehrten Gerichtes zum Nachkochen. „Warum verschenken? Das ist doch unser Geheimrezept. Wenn die Gäste das selber machen, dann kommt doch keiner mehr!” Die Denke ist leider falsch — aus Anbietersicht aber nachvollziehbar. Essen gehen ist ein Erlebnis. Die Nahrungsaufnahme ist nur ein Teil davon. Restaurants sollten sich als Dienstleister für Genuss positionieren.“

9 Ideen, die analoge von digitalen Unternehmen klauen sollten

Von Freiheit, Glück und einer Gesellschaft der Glätte

Werte

Byung-Chul Han ist Philosoph. Er lehrt an der Universität der Künste in Berlin und verbringt die meiste Zeit am Schreibtisch. Die beiden ZEIT-Autoren Niels Boeing und Andreas Lebert haben sich mit ihm zum Interview getroffen. Han liefert eine beeindruckende Zustandsbeschreibung der heutigen Welt, es geht um große Themen: Freiheit, Liebe, Glück, Kommunikation. Dabei stößt Han immer wieder höchst interessante Gedanken an und drückt sich so beeindruckend präzise aus, dass die Lektüre es Interviews jede Zeile wert ist.

„Konsumenten kaufen Kleider oder andere Dinge, aber sie gebrauchen sie nicht, sondern sie machen Werbung, und diese Werbung generiert neuen Konsum. Das heißt, es ist ein absoluter Konsum entstanden, der vom Gebrauch der Dinge abgekoppelt ist. Das Unternehmen hat die Werbung an die Konsumenten deligiert. Es macht selbst keine Werbung. Das ist ein perfektes System.“

„Tut mir leid, aber das sind Tatsachen“