Was ist Volition?

Wenn man im in der Umgangssprache von Willenskraft spricht, meint man die „Power, die jemand braucht, um etwas tatsächlich durchzuziehen.“ In der Psychologie spricht man von Volition und meint damit insbesondere die Umsetzung von Motiven und Zielen in Resultate, die nur durch die Überwindung von Handlungsbarrieren möglich ist. Tatsächlich ist die Umgangssprache in diesem Fall also gar nicht weit von der wissenschaftlichen Definition entfernt.

Die zwei Kernhypothesen der Theorie der Zielsetzung

Locke und Latham gehen im ersten Schritt ihrer Theorie der Zielsetzung davon aus, dass Spezifität und Schwierigkeit eines Ziels entscheidend für dessen Umsetzung sind. Daraus leiten die beiden Wissenschaftler zwei Hypothesen ab: Zum einen sorgen schwierige und herausfordernde Ziele für bessere Ergebnissen als leichte oder mittelschwere Ziele. Zum anderen führen präzise vorgegebene Ziele zu besseren Ergebnissen, als vage ausgedrückte. Auf die Praxis übertragen, leuchten diese Hypothesen sofort ein: Ein Mitarbeiter der jeden Tag die gleiche Arbeit erledigt, gibt sich schon am fünften Tag weniger Mühe als am ersten. Ergänzt man die Aufgabe hingegen um ein neues Element, wird dieser sofort eine größere Aufmerksamkeit geschenkt, was zu besseren Ergebnissen führt (Schwierigkeit). Weiterhin kann man jeder Mitarbeiter mit einer klaren, messbaren Zielvorgabe mehr erreichen, als mit einem Satz á la „Tu was du kannst“ (Spezifität). „Tu was du kannst“ lässt viel Raum für Interpretationen, macht die eigene Leistung gleichzeitig viel schwerer messbar.

Wirkmechanismen

Die Zielsetzung ist für die Handlungsrichtung, -intensität, -ausdauer und für aufgabenbezogene Strategien und Pläne verantwortlich. Graham und Locke fassen diese Dimensionen in der Theorie der Zielsetzung als Wirkmechanismen zusammen. Handlungsrichtung Bei der Handlungsrichtung geht es um die Aufmerksamkeit, die unterschiedlichen Teilaspekten einer Aufgabe geschenkt wird. Diese Aufteilung der Aufmerksamkeit orientiert sich an der Zielvorgabe. Ein Beispiel verdeutlicht den Zusammenhang: Ein Verkäufer beim fiktiven Telekommunikationsunternehmen o3 hat die Aufgabe bis zum Ende der Woche 50 Verträge abzuschließen. Er fokussiert dieses quantitative Ziel. Um es zu erreichen vernachlässigt der Mitarbeiter aber eventuell die Beratungsqualität, sodass es letztendlich zur Kundenunzufriedenheit kommt und die Kunden später keinen Anschlussvertrag mehr abschließen möchten. Handlungsintensität Bei der Handlungsintensität geht es um die Anstrengung, die für die Erreichung eines Ziels aufgebracht wird. Diese Anstrengung passen Menschen der Schwierigkeit einer Aufgabe an. Das Ziel sollte also etwas schwieriger sein als vorherige Ziele, aber dennoch realistisch, um eine maximale Anstrengungsbereitschaft auszulösen. Handlungsausdauer Dieser Punkt bedarf kaum einer Erklärung. Sofern es keine zeitliche Zielvorgabe gibt, tragen hohe Spezifität und angemessene Schwierigkeit auch zu einer höheren Ausdauer bei. Pläne und Strategien Für die Ausführung von Handlungen werden vorhandene Pläne und Strategien bzw. Vorgehensweisen abgerufen. Für komplexe und neue Aufgaben müssen erst Vorgehensweisen entwickelt werden. Das erhöht zwar den Zeitaufwand und nicht zwingend die Leistung, doch es kann niemand abstreiten, dass das Entwickeln neuer Problemlösungsstrategien größtenteils Vorteile hat. Tatsächlich ist es wünschenswert.

Theorie der Zielsetzung
Ziel(formulierung) und Erfolg sind untrennbar miteinander verknüpft. Denn nur anhand eines richtig formulierten Ziels, lässt sich Erfolg überhaupt messen. Wie man Ziele richtig formuliert, erfahren Sie nach einem Klick ins Bild.

Die Moderatoren

Die Theorie der Zielsetzung beinhaltet noch einige weitere Variablen, die sich Moderatoren oder moderierende Größen nennen. Sie entscheiden über die Stärke des Zusammenhangs zwischen Ziel und letztendlicher Leistung. Zielbindung Die Zielbindung beschreibt wie Stark sich ein Mitarbeiter einer Zielerreichung gegenüber verpflichtet fühlt. Eine hohe Zielbindung führt zu höherer Leistung. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wodurch Zielbindung gefördert wird. Die weiteren Moderatoren spielen dabei eine große Rolle. Partizipation Eine hohe Einbindung der Mitarbeiter in die Zielvereinbarung sorgt für eine größere Zielbindung, bei „Tell-and-sell“-Zielen („Verkaufe bis Ende der Woche mindestens drei Autos, sonst bekommen wir finanzielle Probleme“) hat die Partizipation allerdings keinen nachweisbaren Einfluss. Rückmeldung Rückmeldungen zu Zielen mit hoher Schwierigkeit und Spezifität haben einen nachweisbaren, entscheidenden Einfluss auf die Leistung. Die Art der Rückmeldung ist dabei natürlich ebenso wichtig. Selbstwirksamkeit Die Selbstwirksamkeit bezeichnet das Selbstvertrauen, dass ein Mitarbeiter bei der Erreichung von Zielen hat. Selbstwirksamkeit ist von umfassender Bedeutung im gesamten Motivationsprozess. Hohes Selbstvertrauen sorgt für einen besseren Umgang mit Stresssituationen und Fehlschlägen, hat aber auch direkten Einfluss auf die Leistung beim Umgang mit herausfordernden Zielen. Aufgabenkomplexität Bei der Aufgabenkomplexität geht es um die Anzahl und Abhängigkeiten einzelner Handlungsschritte. Auch bei komplexen Aufgaben ist die Zielsetzung entscheidend, hat aber einen geringeren Einfluss auf die Leistung als bei einfachen Aufgaben.

Was man aus der Theorie der Zielsetzung mitnehmen muss

Die Theorie der Zielsetzung ist umfassend, was lässt sich nun konkret und am besten schon morgen umsetzbar daraus ableiten? An dieser Stelle schließt sich der Kreis, denn zur bestmöglichen Umsetzung wird die SMART-Regel herangezogen. Wie man Ziele SMART formuliert, erfahren Sie in diesem Artikel: Praxis für Interim Manager: SMARTe Zielbildung

Achtung bei der Steigerung der Schwierigkeit

Wer seinen Mitarbeitern quantitative Ziele vorgibt, zum Beispiel eine bestimmte Anzahl verkaufter Produkte pro Woche, sollte sich davor hüten, diese Anzahl Woche für Woche zu erhöhen, nur um die Schwierigkeit langsam aber stetig zu steigern. Das führt mit Sicherheit zu größter Unzufriedenheit und einem Gefühl der Ausbeutung aber garantiert nicht zu höherer Gesamtleistung im Sinne der Theorie der Zielsetzung.

Wer die Theorie der Zielsetzung noch einmal ausführlicher aber dennoch in ertragbarer Länge und Verständlichkeit betrachten möchte, dem sei dieses .pdf ans Herz gelegt: Wege der Zielformulierung (Catharina Stahn/Sylvia Steinheuser)