Die Sanierung habe ich bereits aus Perspektive des Unternehmens und auch des Interim Managers ausführlich beschrieben. Aber was passiert eigentlich auf Seite der Banken? In den kommenden Artikeln soll es daher um die Rolle der Kreditinstitute gehen: Wie erfährt die Bank von der Krise, welche Handlungsspielräume und Risiken bestehen für sie? Denn tatsächlich ist die Rolle der Bank meist entscheidend: Wenn ein Unternehmen seine Kredite nicht mehr bedienen kann, wird die Bank zum maßgeblichen Entscheider über die Zukunft des krisenbehafteten Unternehmens. Gute und ehrliche Zusammenarbeit mit der Bank ist deshalb die oberste Pflicht des Unternehmers bzw. der Geschäftsführung.

Das Frühwarnsystem der Banken

Natürlich haben die Banken ein eigenes Frühwarnsystem mit unterschiedlichen Indikatoren, anhand derer sie eine potenzielle Krise bei ihren Unternehmenskunden erkennen. Obwohl die meisten dieser Indikatoren durchaus offensichtlich sind, ergibt ihre Summe ein recht zuverlässiges System der „Krisenfrüherkennung“.
Nach Paragraph 18 des Kreditwesengesetzes (§ 18 KWG) müssen den Banken vollständige Kreditunterlagen vorliegen, anderenfalls darf sie erst gar keinen Kredit gewähren. Der Umfang dieser Unterlagen beinhaltet bei entsprechend hohem Kreditvolumen auch die Offenlegung der Jahresabschlüsse – davon abgesehen wird nur unter bestimmten Voraussetzungen. Damit bekommt die Bank direkten Einblick in die Bilanz und kann sich auf dieser Basis ein eigenes Urteil über die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens bilden. Werden finanzielle Auskünfte nicht durch den Paragraphen gedeckt, kann die Bank auch bestimmte Covenants in den Kredit einfügen und dem Unternehmen so die Auskunftspflicht auferlegen. Wird gegen Covenants verstoßen, sind das möglicherweise erste Anzeichen für eine Krise.
Abgesehen vom Blick auf die  nackten Zahlen, lässt sich auch am Informationsfluss zwischen Unternehmen und Bank Einiges erkennen. Ich habe hier schon des öfteren die Wichtigkeit der Krisenkommunikation zwischen Unternehmen und Stakeholdern betont – und zwar aus dem Grund, weil diese oft zu wünschen übrig lässt. Tatsächlich macht die schlechte Kommunikation das Frühwarnsystem der Banken überhaupt erst notwendig, ist gleichzeitig aber auch Indikator dessen. Schlechte oder unzureichende Informationspolitik, verspätete Einreichung von Unterlagen, eine Häufung von Auskunftsfragen – all das können Hinweise auf eine sich anbahnende Krise sein. Nicht zuvor abgestimmte Überziehungen, erhöhter Kreditbedarf und letztendlich natürlich die fehlende Bedienung von Krediten sind dann schon deutlichere Zeichen für eine problematische Unternehmenssituation. Außerdem bekommen die Bank es in der Regel mit, wenn Kredite anderer Banken gekündigt werden. Folglich interessiert sie sich dann natürlich für die Gründe der Kündigung.

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Zusammenhängendes Tracking statt einzelner Kennzahlen

An den einzelnen Kennzahlen eines Unternehmens können die Banken die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens nur bedingt beurteilen. Die Effektivität des Frühwarnsystems steigt erst durch ein längerfristiges Tracking der Kennzahlen. Aus einer Abfolge von Zahlen lassen sich Veränderungen sehr sehr schnell ablesen, so kommt das „Rating“ zustande. Das Monitoring wird durch ein Tackingsystem vereinfacht, kritische Entwicklungen im Kreditportfolio sollen so früh erkannt werden. Dieses Monitoring wird auch von Rating-Agenturen übernommen.

Eigentlich soll das System sehr effektiv sein. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die Rating-Agenturen bei der Beurteilung von Krediten auch schon völlig versagt haben. Sonst wäre die letzte Finanzkrise schon deutlich eher erkannt worden. Kein System garantiert absolute Sicherheit. Und auch wenn das Frühwarnsystem Alarm schlägt, kann es natürlich schon viel zu spät zur Krisenvermeidung sein. Die Frage ist dann: Wie verhält sich die Bank zum Unternehmen in der Krise? Welche Handlungsalternativen gibt es? Doch darum wird es im nächsten Artikel gehen.