Improvisation wird leider allzu oft völlig missverstanden. Wer improvisiert, der habe kein Konzept, so wird häufig gemutmaßt. Dabei gibt es ganz klare Vorgaben für eine erfolgreiche Improvisation. Einer der weltweit bekanntesten Forscher von Organisation ist der 1936 in Indien geborene Professor an der University of Michigan, Karl Edward Weick. Er sagt: „Es gibt keine einfachen Antworten, kaum etwas ist richtig oder falsch. Lernen Sie zu improvisieren, und erhalten Sie ein tolerables Niveau an Vernunft“.[1. http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_E._Weick]

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Improvisation

Um gezielt erfolgreich improvisieren zu können, ist zunächst eine gründliche Analyse möglichst vieler Randbedingungen notwendig. Hier gilt wie bei jeder Planung, dass genügend Zeit in der Anfangsplanung sich hinterher durch klare Festlegung der erforderlichen Ziele und Ressourcen auszahlt. Es gilt, ganz klare Strukturen festzulegen, Verantwortlichkeiten zu definieren, um späteren Dissens zu vermeiden. Streitigkeiten sind immer kontraproduktiv, verzögern Konsens und somit Fortschritt. Improvisation ist also nur dann möglich, wenn klare Strukturen von Anfang an festgelegt wurden und somit auch kontroverse Diskussionen über Improvisation überhaupt erst ermöglicht werden.

Weiterhin sind Zeitfenster für die einzelnen Phasen festzuschreiben, wobei in bestimmtem Rahmen Überschneidungen zulässig sein müssen. Jeder Projektbeteiligte muss diesen gemeinsam erarbeiteten Zeitfenstern zustimmen. Intelligente Improvisation erfordert zwar eine permanente Planungsvariabilität, diese jedoch in vorher festgelegten Randbedingungen, und dazu gehört besonders die zeitliche Sicherheit.

Bei Großprojekten sind oft politische Randbedingungen Grund für Verzögerungen oder auch für die Explosion der Kosten. Nach Wählerstimmen ausgerichtetes Verhalten hat mit der Sache nichts zu tun und endet oft in völliger Planungsunsicherheit, wie mehrere Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit in Deutschland deutlich erkennen lassen.

Wenn diese einfachen und sofort einsehbaren Voraussetzungen erfüllt sind, besteht die berechtigte Hoffnung auf schnelle und kostengünstige Ergebnisse. Allerdings sollte jeder Beteiligte um diese einfachen logischen Voraussetzungen Bescheid wissen, damit nicht unnötig Zeit und Geld verschwendet werden.

Wie es auch spielerisch gehen könnte, vermittelt die folgende Videosequenz:

 

Vermeidung langer Beschaffungszyklen und unnötiger Vorausinvestitionen

Durch klare Absprachen ist zu vermeiden, dass unnötige Investitionen unterbleiben. Intelligente Improvisation wird auch berücksichtigen, was jeweils unbedingt notwendig ist und wie die Beteiligten und die Öffentlichkeit informiert werden kann, damit öffentliche Proteste kein Verzögerungspotenzial darstellen. Der Größe des Projektes entsprechend und abhängig von öffentlichem Interesse ist auch festzulegen, welche Person die Öffentlichkeit in welcher Frequenz informiert.

 

Einhaltung des Zeitplans, endlose Diskussionen

Diskussionsgrundlage ist immer ein konkreter Vorschlag, der allerdings aus einer groben Zielvorgabe bestehen darf, um Improvisationen zu ermöglichen. Wo keine derartigen Vorgaben bestehen, arten Diskussionen ins Uferlose aus, es wird geredet und geredet ohne zu Erfolgen zu gelangen. Natürlich wird ein wohldurchdachter konkreter Diskussionsvorschlag die Möglichkeit intelligenter Improvisation offen lassen.

 

Ein fertiges Konzept gibt es nicht

Die Stärke intelligenter Improvisation liegt ja gerade darin, ständig unter Einhaltung einvernehmlicher Rahmenbedingungen improvisieren zu können. Intrinsische, von innen herausgeleitete Motivation ist von allen Beteiligten immer gefragt. Jeder Verantwortliche ist permanent gefordert, seine eigenen Ideen zu überdenken und das Resultat in die Planung einzubringen. Das erfordert allerdings klar festgelegte Strukturen, die auch zulassen, dass jeder im Team eigene Gedanken einbringen darf, ohne von der Hierarchie erdrückt zu werden. Das Prinzip des „Primus inter Pares“, des Ersten unter Gleichen hat im Team zu gelten, jeder darf Vorschläge einbringen, die der Teamleiter ernst zu nehmen hat.

 

Flexible Module vor starren Konzepten

Starre Systeme entsprechen keinem modernen Planungs- und Führungsverhalten. Flexibilität bringt hier wirkungsvoll und nachhaltig weiter; schafft sie doch die Grundlage intelligenter auf das Ziel gerichteter Improvisation. Beispiele positiver und negativer Planung gibt es immer wieder. Großflughäfen in Istanbul, Peking und Berlin lassen erkennen, wo kreativ mit intelligenter Improvisation geplant wird und welche Erfolge oder Misserfolge zu erkennen sind. Die Belebung strukturschwacher Gebiete wie der Eifel zeigt ebenso deutlich auf, was Schwachstellen in der Planung an Schaden anrichten können.

 

Überwindung von Sachzwängen

Sachzwänge – was ist das? Konkrete finanzielle oder zeitliche Zwänge sorgen leider allzu oft dafür, dass gerade diese Randbedingungen nicht eingehalten werden können. Derartige Vorgaben verhindern die Entwicklung intelligenter Improvisation. Allerdings handelt es sich hier um eine Gratwanderung, worüber sich das Planungsteam bewusst sein muss. So genannte „Erbsenzähler“ verhindern oft kreative Improvisation. Modernes Management ist sich dessen bewusst. Heute ist Ideenreichtum gefragt, das allein Projekten jeder Größenordnung zum Erfolg verhilft. Und immer gilt der auf Äsops Fabel mit den beiden Fröschen zurückgehende Spruch: „Quidquid agis, prudenter agas et respice finem“[2. http://de.wiktionary.org/wiki/quidquid_agis,_prudenter_agas_et_respice_finem], zu Deutsch: „Was auch immer du tust, handle klug und berücksichtige das Ende“. „Bedenke, was letztendlich herauskommen kann“ sollte die Triebkraft allen intelligenten Planens sein. Und sollte sich schließlich herausstellen, dass trotz mehrfachen Hinterfragens das geplante Ergebnis unter Berücksichtigung aller Umstände nicht erreicht werden kann, dann muss man eingestehen, dass es so nicht geht. Aber erst dann und nicht früher. Diese Entscheidung erfordert ein hohes Maß an Mut und Integrität, die man so manchem Entscheidungsträger gerne wünscht.

 

Rationale Improvisation
Der ökonomische Ansatz zur intelligenten Improvisation

Vergiss nie, dass Du ein homo sapiens bist

Wir sind die Krone der Schöpfung und das sollten wir nie vergessen. Der weise Mensch ist unser Leitbild, das leider allzu oft vergessen wird. Kleinkarierte Diskussionen und Machtkämpfe haben in erfolgreichen Teams keinen Platz. „Habe Mut, Dich Deines Verstandes zu bedienen“[3. http://www.uni-potsdam.de/u/philosophie/texte/kant/aufklaer.htm] übersetzte Kant den lateinischen Dichter Horaz. Intelligente Improvisation duldet keine Duckmäuser, große Projekte erfordern vielmehr große Geister, die frei sind, Improvisation zuzulassen.

Wie sich flexible Handlungsweisen für zweckmäßige Maßnahmen zur Krisenüberwindung nutzen lassen lassen, darauf gehe ich dem  Artikel „Richtige Reaktionen auf Krisen und Skandale in Unternehmen und Organisationen“ ein.

 

Quellen: