Zwar werde ich in den kommenden Wochen auch noch einmal auf die Sanierung aus Bankensicht eingehen, starten werde ich allerdings nun mit einem Blick auf die möglichen Finanzierungsinstrumente für Unternehmen in der Krise – und auch außerhalb der Krise. In großen Unternehmen gehören Finanzierungen zum Alltagsgeschäft, doch im mittelständischen Sektor fällt mir immer wieder auf, dass Unternehmensinhaber und Geschäftsführer mit den ihnen möglichen Finanzierungsinstrumenten nur unzureichend vertraut sind. Aus diesem Grund, gebe ich zunächst einmal einen kleinen Überblick, um in späteren Beiträgen noch detaillierter auf die einzelnen Instrumente einzugehen. 

Finanzierung von innen

Grundsätzlich wird, wie jeder von Ihnen weiß, zwischen Außen- und Innenfinanzierung unterschieden. Die klassische Innenfinanzierung erfolgt aus den zuvor eingefahrenen Gewinnen. Ist das Unternehmen allerdings in der Krise, sind diese Reserven in der Regel schon aufgebraucht. Trotzdem gibt es immer noch mehrere Möglichkeiten im Unternehmen selbst für eine Kapitalfreisetzung zu sorgen. Einkauf und Vertrieb bieten mögliche Stellschrauben. Man kann Zahlungsfristen für Kunden anpassen und längere Zahlungsfristen mit Lieferanten vereinbaren. Das wirkt sich vor allem positiv auf den Cashflow aus. Ein weiteres wichtiges Instrument für die kurzfristige Freisetzung größerer Summen ist das Sale-and-Lease-Back-Verfahren. Insbesondere für produzierende Unternehmen ist dies eine gute Möglichkeit zur Kapitalfreisetzung, da Maschinen und Gebäude mit hohem Wert in der Regel zum Unternehmen gehören. Ein Textilhersteller kann also eine Produktionshalle inklusive der Webmaschinen für mehrere Millionen Euro verkaufen, und sofort wieder „zurückleasen“.

Möglichkeiten der Finanzierung
Möglichkeiten der Finanzierung

Finanzierung von außen

Völlig selbsterklärend: Bei einer Außenfinanzierung wird dem Unternehmen Kapital von außen zugeführt. Dies kann durch einen Gesellschafter passieren, der neues Kapital zuschießt, oder durch eine Bank die einen Kredit gewährt. In Zeiten der Krise gestalten sich neue Kredite allerdings als schwierig, vor allem wenn schon die Insolvenz droht. Wie ich in den Artikeln zur Unternehmenskrise aus Bankensicht bereits erklärt habe, birgt die Kreditvergabe an ein marodes Unternehmen Gefahren für die Banken – und zwar abseits der Tatsache, dass der Kredit nicht bedient werden kann, wenn das Unternehmen tatsächlich in die Insolvenz geht. Oft liegt das Problem ja bereits in der Bedienung bestehender Kredite. An dieser Stelle kann ein Dept-Equity-Swap helfen, bei dem Forderungen in Unternehmensanteile und damit in Kapital umgewandelt werden. Doch Vorsicht: Der entsprechende Käufer wird sein Mitspracherecht aufgrund der Beteiligung geltend machen. Neben Bankkredit und Anleihe, gehört auch das Schuldscheindarlehen zur Finanzierung von außen. Eine hohe Bonität ist dafür allerdings erforderlich. Krisenbehaftete Unternehmen dürften es daher schwer haben, ein solches Darlehen zu bekommen. Dann wäre da noch die Mezzanine-Finanzierung, eine Mischform zwischen Eigenkapital und Fremdkapital. Dabei wird dem Unternehmen Kapital zugeführt, das in der Regel dem Eigenkapital zugerechnet wird, der Kapitalgeber bekommt aber im Gegensatz zum Gesellschafter kein Stimmrecht.

All diese Finanzierungsmöglichkeiten haben natürlich noch unterschiedlichste Ausprägungen und Abwandlungen; man merkt es an Formulierungen wie „in der Regel“. Doch mit diesem Beitrag sind die Grenzen abgesteckt. Die wichtigsten Stichwörter werden in den nächsten Wochen selbst zum zentralen Thema einzelner Artikel. Noch sieht zwar alles sehr übersichtlich aus, aber das Thema Finanzierung gleicht einem undurchsichtigen Dschungel, dessen Durchquerung allerdings zwingend erforderlich ist.