Strategische Entscheidungen werden unbewusst von verschiedenen Faktoren wie z.B. Emotionen und Vorurteilen beeinflusst. Das Verhalten des Menschen ist allerdings nicht so unvorhersehbar wie man vielleicht vermutet. Führungskräfte nutzen ihr Wissen auf dem Aktienmarkt  und Vermarkter wissen, weshalb einige Angebote Verbraucher ansprechen und andere nicht. Laut einer Umfrage von McKinsey befinden von über 2.000 Führungskräfte nur 28 Prozent der Befragten die strategischen Entscheidungen Ihres Unternehmens im Allgemeinen für gut.  Deshalb möchte ich Ihnen in diesem Artikel eine mögliche Vorgehensweise aufzeigen, Entscheidungen ihres Unternehmens zu rationalisieren. Dadurch vermeiden Sie die Risiken von (Bauchentscheidungen).

Erstaunlicher Weise sind sich allerdings nur wenige Unternehmensstrategen über die kognitiven Verzerrungen – die sog. Biases bewusstDiese beeinflussen den Entscheidungsprozess unbewusst und führen dadurch auch oftmals zu irrationalen Entscheidungen. Der wesentliche Grund dafür ist, dass die strategisch aktiven Mitarbeiter in Unternehmen, anders als Führungskräfte und Vermarkter, nicht die Vorurteile anderer erkennen müssen, um diese zu ihrem eigenen Zweck zu nutzen, sondern ihre eigenen Vorurteile erkennen müssen.

 

Biases bei Entscheidungen
Biases bei Entscheidungen

 

Demgegenüber wird jede strategisch agierende Führungskraft natürlich einige Vorurteile erkennen und diese entsprechend berücksichtigen. Zum Beispiel wenn befürchtet wird, dass die Empfehlung einer Person von Eigeninteresse gefärbt ist und deshalb eine dritte Person, um eine neutrale Bewertung bittet. Wissenschaftliche Untersuchen und empirische Beobachtungen zeigen aber, dass dieses allein intuitive Hinterfragen der Beweggründe oft nicht ausreicht. Vorurteile und verzerrende Faktoren sind allgegenwärtig und liegen in der Natur des Menschen.

Die Verbesserung der strategischen Entscheidungsfindung erfordert daher nicht nur in der Begrenzung von Vorurteilen, sondern auch in der Einführung einer Entscheidungsroutine. Teamarbeit und ein gut organisierter Entscheidungsprozess sind daher die Schlüssel für qualitativ hochwertige Entscheidungs-Ergebnisse.

Denken Sie doch in diesem Zusammenhang mal an eine der großen Geschäftsentscheidungen, die ihr Unternehmen vor kurzem getroffen hat: eine wichtige Akquisition, eine große Investition, eine wichtige technologische Entscheidung oder die Einführung eines neuen Produktes. Egal, um was es sich handelt, Sie sollten sich über die verschiedenen Schritte Ihres Entscheidungsprozesses bewusst sein.

 

Verzerrungen bei Entscheidungen
Verzerrungen bei Entscheidungen

1.     Zielidentifizierung für Entscheidungen

Dies ist der wichtigste Schritt im gesamten Entscheidungsprozess. Sie müssen herausfinden, welche Ziele für Sie in dieser Entscheidungssituation von Relevanz sind. Fragen Sie sich deshalb ,,Was möchte ich mit dieser Entscheidung überhaupt erreichen?‘‘ oder „Warum ist das eigentlich wichtig?“. Wichtig ist, dass Sie hier den wesentlichen Zielzustand definieren.

2.     Angemessener Aufwand zur Informationsbeschaffung & Auswahl verschiedener Alternativen

An dieser Stelle zeigt sich, warum Sie Entscheidungen nicht alleine treffen sollten: Gruppenentscheidungen haben den Vorteil, dass viele verschiedene Informations- und Erfahrungsquellen den Entscheidungsprozess beeinflussen. Damit ist aber gleichzeitig nicht gemeint, dass „Schwarmintelligenz“ den Individual-Entscheidungen überlegen ist, sondern, dass die gemeinsame Teilhabe am Entscheidungsprozess zweckmäßiger ist.

 

3.     Bewertung von Unsicherheitsfaktoren & Aufstellen von Wirkungsprognosen

Führungskräfte haben oft das Bedürfnis, zu handeln. Die Maßnahmen, die wir ergreifen, werden allerdings oft durch übertriebenen Optimismus über die Zukunft und vor allem durch unsere eigenen Fähigkeiten, beeinflusst. Fragen Sie sich deshalb selbst, inwiefern die Wahl einer Alternative, auf übermäßig optimistischen Prognosen beruhen. Denn es wäre doch ein fataler Fehler, wenn Sie oder Ihre Mitarbeiter aus Handlungsdrang oder Druck die falsche Alternative bzw. eine unzweckmäßige Entscheidung wählen.

Das umgekehrte Phänomen sollte allerdings auch vermieden werden: Die natürliche Veranlagung des Menschen ,,alles beim Alten‘‘ zu lassen (Status-Quo-Bias) führt eben auch nicht immer zu einem optimalen Ergebnis.

4.    Auswertung & Entscheidung für die nutzenmaximale Alternative

Erst in diesem Schritt sollten Sie zu einem endgültigen Ergebnis finden. Das Anwenden von Heuristiken durch Mustererkennung ist hier oft sehr wertvoll, aber auch gefährlich. Die Herausforderung besteht darin, die unbewusste Anwendung von Heuristiken und Vorurteilen zu vermeiden. Das ist auch der wesentliche Grund dafür, dass immer alle Alternativen bewertet werden sollten, bevor die Entscheidung getroffen wird.

Hinzu kommt, dass der Erfolg oft auf das eigene Können und Misserfolg auf die ungünstigen Umweltbedingungen zurückgeführt wird. Deshalb ist eine ausreichende Analyse nach einer getroffenen Entscheidung, genau so wichtig, wie das Treffen der Entscheidung selbst.