Industrie 4.0, kurz i40, bedeutet weitreichende Digitalisierung. Und digital bedeutet letztendlich informationstechnologisch. Mit anderem Wort: IT. Das macht die IT für die Entwicklung hin zu Industrie 4.0 nicht nur unabdingbar. Was viele Unternehmer noch nicht verstanden haben: die IT wird zum maßgeblichen „Umsetzungsbegleiter“ der Entwicklung und nimmt der Industrie damit ein Stück weit den Einfluss auf den Fortschritt der Entwicklung. Betrachtet mam im Speziellen den in Deutschland so starken Maschinen- und Anlagenbau ist diese Tatsache gleich in doppelter Hinsicht entscheidend. Warum das so ist, erfahren Sie im Folgenden.

IT ermöglicht Industrie 4.0

Fassen wir noch einmal kurz zusammen was Industrie 4.0 maßgeblich beinhaltet: jede smarte bzw. intelligente Funktion der Industrie 4.0 wird durch Datenaufzeichnung und Datenverarbeitung möglich und letztendlich durch die Interpretation der Daten verwertbar. Und genau in dieser Datenverarbeitung und der anschließenden Nutzung des auf Daten beruhenden Wissens, liegt der durch i40 erzielte Fortschritt. Am „ausführenden“ Technik ändert sich nichts. Der Industrieroboter zum Beispiel, tut das gleiche wie zuvor: er setzt ein Auto zusammen. Nur kann er dank Sensorik – einer Technik die ebenfalls nicht neu ist – eigenständig Durchlaufzeiten ermitteln oder Verschleiß feststellen. Es ist somit das informationstechnologische Backend, das den Mehrwert schafft.

Da IT-Unternehmen ein hohes Interesse daran haben, ihre Technik „nutzbar“ zu machen, beginnen sie selbst dort zu agieren, wo eigentlich Industrieunternehmen und Maschinenbauer ihr Metier haben. Die größten unter den IT-Unternehmen haben zudem die Finanzkraft, sich dieses Spezialwissen der Maschinenbauer einfach einzuverleiben. Deshalb hat Google bereits einen Hersteller für Roboter gekauft. Und einen für Thermostate.

Im Maschinenbau kommt i40 von zwei Seiten

Für den Maschinenbau wird i40 damit gleich zur doppelten Gefahr (negativ ausgedrückt) bzw. zu doppelten Chance (positiv ausgedrückt).

i40 von Innen

Um den Anforderungen des i40-Zeitalters gewachsen zu sein, müssen Unternehmen ihre Produktion i40-tauglich machen. Das bedeutet: Vernetzte bzw. intelligente, IT-gestützte Produktion. Warum das nötig ist? Weil die Kunden es fordern. Nicht explizit, sondern implizit, in Form kleiner Losgrößen, immer individuellerer Kundenwünsche und immer kürzeren Zeitfenstern.

Dazu eine kleine Anekdote für all jene, die solche Anforderungen erst mittelfristig oder gar in ferner Zukunft sehen. Diese Unterhaltung fand genau so auf der Hannovermesse 2016 an einem Messestand statt:

Potenzieller Kunde: „Ich würde gern ein XY bestellen, wie lange bräuchten Sie von der Bestellung bis zur Lieferung?“

Mitarbeiter: „Das ist bei uns ein Neuteil, da müssen wir erst einmal die Voraussetzungen schaffen. Zwölf Wochen würde ich sagen.

Potenzieller Kunde: „Zwölf Wochen? Sie können sich überlegen, welche der beiden Ziffern von „12“ sie streichen möchten. Dann sprechen wir uns wieder.“

Dem traditionellen Unternehmer, fest verankert in der Old Economy, mag sich fragen wie das überhaupt möglich sein soll, die Durchlaufzeiten von zwölf auf zwei Wochen zu reduzieren. Doch genau hier ist i40 das Stichwort. Intelligente Produktions-, Ressourcen und Kapazitätsplanung ermöglicht solch drastische Effizienzsteigerungen tatsächlich. Und die Forderung danach ist – wie das Beispiel eindrucksvoll und wunderbar pointiert zeigt – bereits Realität. Und diese Entwicklung kann nur über die IT realisiert werden.

Das smarte Produkt

Nun sehen sich Anlagen- und Maschinenbauer aber noch der zweiten Seite von Industrie 4.0 gegenüber: Ihre Produkte müssen selbst als Teil einer smarten Produktion fungieren können und somit vernetzungsfähig werden. Dazu müssen Maschinen und Bauteile mit Funktionen veredelt werden, die letztendlich nur durch Unterstützung der IT realisiert werden können. Ein Sensor allein nützt nämlich herzlich wenig, erst die Aufzeichnung, Verarbeitung und Auswertung der Daten, macht die Sensortechnik an einer Maschine, an einem Bauteil wertvoll.

Wer die IT als treibende Kraft der Industrie 4.0 nicht anerkennt, kann am Ende nur verlieren. Es gilt auf IT-Unternehmen zuzugehen, und mit ihnen gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Verschließt sich der Maschinenbauer der IT, wird die IT irgendwann die Aufgaben des Maschinenbauers selbst übernehmen. Natürlich gibt es derzeit noch eine Menge Spezialwissen in den Industrie- und Maschinenbauunternehmen, das sich ein IT-Unternehmen nicht von heute auf morgen aneignen kann. Aber erstens ist es genau das Bunkern dieses Wissens, dass die Entwicklung bremst. Zweitens hält kein Bunker ewig. Und drittens sind die Mitarbeiter und ihr Know-How das eigentlich Entscheidende. Und wenn IT-Unternehmen weltweit eines verstanden haben, dann, wie man die besten Leute zu sich holt – egal welcher Branche.