Während mancherorts die Flüchtlingsheime brennen und der rechte Mob begeistert zusieht, gibt es an vielen Orten nach wie vor eine unglaubliche Bereitschaft zur Flüchtlingshilfe. Ohne engagierte Ehrenamtliche, ohne Verbände, Kirchen und Organisationen, sähe die Lage weitaus schlimmer aus. Eine dieser Organisationen ist der Caritas-Verband Arnsberg-Sundern e.V.. Da das Thema auch mir und spannkraft-Redakteur Benedikt Bentler sehr am Herzen liegt, haben wir mit dem Caritas-Verband Arnsberg Mitte Januar einen Workshop durchgeführt – pro bono versteht sich. Ziel war es, die bisherige Arbeit zur Flüchtlingsintegration konzeptionell und strategisch noch besser auszurichten, um einerseits eine größere Effizienz und Wirkung zu erzielen und um diese andererseits in noch wirkungsvoller das Geschäftsmodell des Verbandes einzubetten. Am Ende des Arbeitstages mit dieser hoch engagierten Gruppe stand dann tatsächlich ein Konzept.

Die Teilnehmer: motiviert und heterogen aufgestellt

Am Morgen des 15.01.2016 sahen wir uns in der Caritas-Zentrale in Arnsberg extrem motivierten Mitarbeitern aus unterschiedlichen Teilbereichen der Flüchtlingsarbeit. Neben dem Vorstandsvorsitzende des Ortsverbandes und einem Vertreter des Diözesancaritasverbandes Paderborn war u.a. auch ein Projektkoordinator aus dem Personalbereich aktiv mit dabei. Zusätzlich zur zuständigen Fachbereichsleiterin waren außerdem weitere Mitarbeiterin dabei, die derzeit als zentrale Ansprechpartnerin der Flüchtlinge unmittelbar vor Ort wirkt sowie zwei weitere Mitarbeiterinnen, die direkt in die Arbeit mit Flüchtlingen eingebunden sind.

Für einen Workshop, bei dem es um grundsätzliche organisatorische und strukturelle Themen ging, glich diese Heterogenität einer Bilderbuch-Teilnehmerschaft. Denn: Alle wichtigen Fragen im Bezug auf Struktur, Organisation und Finanzen, konnten zumindest in ihren Grundzügen sogleich durch die Teilnehmer beantwortet bzw. von den jeweiligen Verantwortlichen durchgedacht werden. Dass auf der anderen Seite direkt in die Flüchtlingsarbeit eingebundene Mitarbeiter dabei waren, hatte den Vorteil, dass zum Schluss keine Ideen und Vorschläge standen, die an den letztendlichen an tatsächlichen Needs und Zielen vorbeigehen.

Methodik und Zielsetzung

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Als Methode kam bei dem Workshop das hier im Blog bereits ausführlich erläuterte Business Model Canvas zum Einsatz. Diese Methode hat den Vorteil, dass sie einerseits einen Überblick über bereits bestehende Strukturen, Partner und Wertschöpfungsprozesse gibt, auf der anderen Seite aber auch Chancen und Lücken aufzeigt, die in der Folge genutzt werden können.

Zu Beginn stand also die Frage nach der Standortbestimmung des Caritas-Verbandes in der Flüchtlingsarbeit im Raum. Hierzu wurden zunächst einmal die einzelnen Bezugsgruppen und Schlüsselpartner sowie deren Tätigkeiten identifiziert und analysiert: Flüchtlinge, Agentur f. Arbeit/ Jobcenter, Ehrenamtliche, Kommunen & örtliche Unternehmen, Presse.

In der Folge ging es darum, ein Werte-Angebot zu schaffen, dass einerseits die Effizienz und Wirksamkeit der bisherigen Tätigkeiten erhöht, andererseits aber auch ggf. zusätzliche Ertragspotenziale schafft. Was das entscheidende Element zur bestmöglichen Integration der Flüchtlinge ist, stand für alle Beteiligten außer Frage: die zügige Integration der Geflüchteten in den örtlichen Arbeitsmarkt.

Das Ergebnis

Im Laufe des Tages kristallisierte sich mehr und mehr heraus, dass die Vermittlung der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt im Bezug auf Nachhaltigkeit die größte Schwierigkeit darstellt. Zwar gibt es viel Engagement (auch seitens von Unternehmen), aber das Matching zwischen Flüchtling und Arbeitsstelle passt oft nicht, da die Agentur für Arbeit bzw. das Jobcenter die Flüchtlinge nicht gut genug kennt, um Fähigkeiten und Kompetenzen richtig einzuschätzen. Daher die Idee: Der Caritas-Verband unterstützt sowohl die Bundesagentur für Arbeit als auch potentielle Arbeitgeber bei Arbeitskraftvermittlung und steuert dazu deren zusätzliche Fähigkeiten und Kenntnisse über die Flüchtlinge bei. Um den Erfolg zu gewährleisten und das Projekt finanziell zu unterstützen, sollen von Anfang an lokale Unternehmen als Projektpartner gewonnen werden.

Die letztendliche Vision für den Caritas-Verband sah also wie folgt aus:

Innerhalb der nächsten 3 Jahre der führende Dienstleister zur kurz- bis mittelfristigen Problemlösung für bedürftige Flüchtlinge mit Schwerpunkt auf der Integration in den regionalen Arbeitsmarkt im Raum Arnsberg/ Sundern werden.

Im Zuge dessen wurden auch die kritischen Erfolgsparameter quantitativer und qualitativer Natur bestimmt: So gilt es die Anzahl der Vermittlungen pro Zeiteinheit, die Anzahl der dauerhaften Beschäftigungen und die Anzahl der Kooperationspartner zu messen. Auch die Kündigungsquote (während der Probezeit) stellt einen Indikator dar. Bei qualitativen Messung des Erfolgs wird die Passgenauigkeit der Vermittlung, der Projekt-Reifegrad und die Übertragbarkeit auf andere Regionen miteinbezogen.

Auch ein erster Zeitplan sowie eine vorläufige Ressourcenplanung wurden im Rahmen des Workshops aufgestellt. Im weiteren Verlauf des Projektes steht lead & conduct ! dem Caritas-Verband als Ansprechpartner zur Verfügung.

Fazit

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Nicht nur der Caritas-Verband, auch lead & conduct ! hat im Rahmen dieses eintägigen Workshops bereichernde Erkenntnisse gewonnen, die in die zukünftige Arbeit einfließen werden:

  1. Der Erfolg eines Workshops ist maßgeblich von der Zusammensetzung der Teilnehmerschaft abhängig. Der Spaß bei der Durchführung ebenfalls.
  2. Moderne Instrumente wie das Business Model Canvas lassen sich durch leichte Abwandlung vielfältig einsetzen.
  3. Ehrenamtliche Arbeit kann auch punktuell viel bewirken!

Link: Pressemitteilung des Caritas-Verbands Arnsberg-Sundern e.V. zum Workshop