Achtsamkeit ist weder Meditation noch Yoga. Achtsamkeit ist vielmehr das bewusste Wahrnehmen der inneren und äußeren Zustände. Bereits im letzten Artikel habe ich beschrieben, warum Achtsamkeit so gut in unser immer schneller tickenden Leben passt. Es mag komisch erscheinen, sich zunächst mit der Frage nach dem Wozu und Warum zu beschäftigen, und erst danach genauer zu beschreiben, was Achtsamkeit eigentlich genau ist. Ziel dessen: Dadurch wollte ich zunächst ein grundsätzliches Verständnis für das Thema Achtsamkeit schaffen. Denn leider bemerke ich gerade im konservativen Führungskräfte-Umfeld, dass das Thema immer noch belächelt wird – grundlos. Widmen wir uns nun also den Details: Was genau ist eigentlich Achtsamkeit?

Achtsamkeit: Kommt aus dem Buddhismus, braucht aber keine Religiösität!

Achtsamkeit hat keine zu hundert Prozent eindeutige Definition und ist auch keine Größe à la Umsatz, sondern ein Geisteszustand. Trotzdem kann man sich relativ leicht einem grundsätzlichen Verständnis des Begriffes annähern. Denn trotz im Detail unterschiedlicher Definitionen, ist die Grundlage immer die gleiche. Achtsamkeit, auch oft mit dem englischen Wort „Mindfulness“ bezeichnet, kommt aus dem Buddhismus. Eine religiöse Praxis? Jein.

Auch wenn die Ursprünge im Buddhismus liegen, lässt sich das Thema Achtsamkeit sehr gut aus seinem religiösen Kontext lösen – davon abgesehen ist der Buddhismus eh nicht mit den hier bekannteren Religionen Christentum, Islam und Judentum vergleichbar. Im Buddhismus besteht Achtsamkeit aus vier Grundlagen:

  1. die Achtsamkeit auf den Körper
  2. die Achtsamkeit auf die Gefühle/Empfindungen
  3. die Achtsamkeit auf den Geist
  4. die Achtsamkeit auf die Geistesobjekte (d.h. alle äußeren und inneren Objekte/ Dinge, die im Moment wahrgenommen werden).

Weitere Details: http://www.awakeningtosanity.net

Mindfulness: Achtsamkeit verwestlicht

Ein Vorreiter ist Jon Kabat-Zinn, der das Prinzip der Achtsamkeit in der westlichen Welt bekannt machte. Er erstellte in den späten 70ern erste wissenschaftliche Studien zum Thema und das berühmte, medizinische Programm „Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion“ (engl. Mindfulness-Based Stress-Reduction), kurz MBSR entwickelte. Seiner Definition nach ist Achtsamkeit eine bestimmte Form der Aufmerksamkeit, die absichtsvoll ist, sich auf den gegenwärtigen Moment bezieht und keine Wertung vornimmt bzw. kein Urteil beinhaltet.

Im folgenden Video definiert Kabat-Zinn Mindfulness noch einmal selbst:

Erwiesen statt Eso

Das Programm MBSR von Jon Kabat-Zinn zielt direkt auf Stressreduktion ab. Allerdings wird die Lehre der Achtsamkeit in unterschiedlichen Variationen mittlerweile wie eine Art Breitbandantibiotika eingesetzt, zum Beispiel bei Depression und Burn-Out, posttraumatischen Belastungsstörungen, Persönlichkeitsstörungen wie Borderline und auch bei allerhand physischen Problemen und chronischen Schmerzen, denn die Gründe für diese liegen nicht selten in der Psyche. Achtsamkeit schafft Ausgeglichenheit – und ist vor allem keine Spinnerei.

Die Zeiten, in denen positive Auswirkungen von Achtsamkeitsübungen als religiöse oder Placebo-Spinnerei abgetan wurden, sind leider immer noch nicht vorbei, sollten sie aber sein. Denn: Dass sich Achtsamkeit auf das Gehirn, das Denken, die Kontrolle von Emotionen und die Gesundheit auswirkt, ist mittlerweile in zahlreichen Studien belegt. Der technische Fortschritt und die bildgebenden Verfahren in der Medizin, haben dazu beigetragen, dass man „die Art des Denkens“ viel besser untersuchen kann, als noch vor 20 Jahren. Mindfulness ist längst in der seriösen Medizin und Forschung angekommen.

Zeit also, sich mal damit zu beschäftigen, inwiefern Achtsamkeit auch im Management- und Führungsalltag nützlich sein kann.