Die Warum-Frage ist der Ausgangspunkt von wirklich erfolgreicher und inspirierender Führung, die nicht nur Methoden anwendet, Prozesse gestaltet und dadurch Organisationen entwickelt, sondern vor allem die Fähigkeiten emotional so verankert, dass dadurch Verhalten und Einstellungen kraftvoll verändert werden. Nur wem es gelingt, sein Team mit seinem Führungsverhalten – über die reine rationale Sachebene hinaus – auf der emotionalen Ebene anzusprechen, wird treue Gefolgschaft erreichen. Damit dies gelingt, ist es aber unbedingt notwendig, zunächst einmal das Warum seines Tun und Handelns zu erläutern bzw. darzustellen – und danach erst das Wie und das Was.

Die verflixte Warum-Frage als Ausgangspunkt

„Goldener Kreis“ der W-Fragen

Letzte Woche habe ich damit begonnen, ein neues Vertriebskonzept für ein neues Produkt zu erstellen. Nachdem ich den ersten Entwurf beendet hatte, habe ich ihn an an einen bekannten Online-Marketing-Experten mit der Bitte um sein Feedback versandt. Dieses kam dann auch sehr rasch. Er empfahl mir, noch intensiver das Warum für das neue Produkt in den Fokus meiner Überlegungen zu nehmen. Als Begründung verwies er einfach auf den sog. „Golden Kreis“ von Simon Sinek.

Why

Diese einfache und dennoch sehr kraftvolle Methode beschreibt sehr anschaulich, warum wirklich inspierende Führung über die Kommunikation vom inneren zum äußeren Kreis führt. Für Sinek ist klar:

„People don’t buy what you do. They buy why you do it.“[1. E. Veit: Equity Storytelling: Think – Tell – Sell: Mit der richtigen Story den Unternehmenswert erhöhen. Wiesbaden, 2014, S. 48]

Und damit hat auch mein Berater völlig recht. Mit der Warum-Frage gehen wir direkt auf das Ziel für inspirierende Führung. Bleibt dieses bei der ersten Antwort noch unklar, dann sollte diese Antwort noch mindestens 2 x mit weiteren Warum-Fragen hinterfragt werden. Der Japaner Masaki Imai, u.a. Gründer des Kaizen-Instituts, hat diese „Drei-Mal-Warum-Methode“ entwickelt. Sie hilft dabei, noch stringenter mit dem jeweiligen Zielzustand umzugehen, und die Plausibilität der Antworten zu überprüfen. Sollte eine der Drei-Mal-Warum-Fragen hinsichtlich Logik, Stringenz und Nachvollziehbarkeit nicht zufriedenstellend beantwortet werden, muss die jeweilige Zielvorstellung noch einmal grundsätzlich hinterfragt werden.

Die anderen W-Fragen

Die anderen W-Fragen sind natürlich auch wichtig – aber vor allem für die Sachebene. Hiermit geht es also darum, die Sachargumente so genau wie möglich aufzunehmen. Diejenigen, die Soldat bei der Bundeswehr sind oder gewesen sind, kennen sicherlich noch den alten Meldeblock, der am Seitenende noch einmal die wesentlichen Fragen Wer – (tut) Was – Wann – Wie – (und) Wozu quasi als Gedankenstütze ausgewiesen hatte. Für den normalen Soldaten reicht das sicherlich – doch für Führungskräfte ist immer das wozu bzw. das warum die entscheidende Frage für den jeweiligen Sinn der Handlung. Wer hier keine oder nur schwache Antworten  geben kann, dem wird die Gefolgschaft verweigert werden – auch wenn nicht gleich Meuterei ausbricht;-)

 

Die Antwort trifft direkt ins emotionale Zentrum

Sach-Argumente zielen auf das Großhirn – den Neokortex

Die Großhirnrinde bildet den multisensorischen und motorischen Teil unseres Gehirns. Ob es evolutionsbiologisch das jüngste Teil unseres Gehirns ist, ist in der Forschung umstritten. Wichtiger für Führung ist die Tatsache, dass der Neocortex für unsere rationalen und analytischen Gedanken und die Sprache verantwortlich ist.

system

Antworten auf die Warum-Frage zielen direkt auf das Limbische System

Das Limbische System im Zentrum unseres Gehirns reguliert die für die soziale Natur der Säugetiere typischen Empfindungen wie Sorge um den Nachwuchs, Angst, Liebe, Lust, Spieltrieb und das Lernen durch Nachahmen. Es ist also verantwortlich für Erinnerungen und Emotionen; unsere Entscheidungen werden hier vorbereitet – und das obwohl die Sprache mit ihren zahlreichen Sachinformationen hier nicht verortet ist.

Kommunikation von Außen nach Innen

Mit anderen Worten, wenn wir von Außen nach Innen kommunizieren, ja, dann versteht unser Gegenüber große Menge von komplexen und/ oder komplizierten Informationen – wie die besonderen Merkmale und den Nutzen sowie Zahlen, Daten, Fakten. Allerdings lenkt dies nicht unser Verhalten.

Mit Warum-Fragen kommunizieren wir wirkungsvoll von Innen nach Außen

Wenn wir über die Warum-Fagen und deren Antworten von innen nach außen kommunizieren, sprechen wir direkt den Teil des Gehirns an, der das Verhalten maßgeblich bestimmt und geben der Handlung einen emotionalen Kern, eine emotionale Grundlage. So entstehen die sog. „Entscheidungen aus dem Bauch“ heraus. Sie kennen den Moment, in dem nur Sachinformationen Grundlage sind: Manchmal können Sie jemandem alle Fakten und Zahlen geben und er sagt, „Ich weiß, was alle diese Zahlen, Daten, Fakten sagen, aber es fühlt sich einfach nicht richtig an.“ Das heißt, er ist emotional nicht überzeugt.

Warum wird das Verb „fühlen“ benutzt? Weil der Teil des Gehirn, der die Entscheidungsfindung zu großen Teilen bestimmt, nicht die Sprache kontrolliert. Und das Beste was wir uns einfallen lassen können ist, „Ich weiß nicht. Es fühlt sich nicht richtig an“. Oder manchmal hören Sie Menschen sagen, dass sie dem Herzen folgen oder dass sie auf ihre Seele hören. Dies Alles passiert im limbischen System; also dem Teil des Gehirns, der die Entscheidungsfindung und nicht die Sprache kontrolliert.

In dem folgenden TED-Talk-Beitrag von Simon Sinek wird hierzu prima beschrieben, wie besonders erfolgreiche Führungspersönlichkeiten Kooperation, Vertrauen und Veränderung inspirierend vermitteln, in dem sie genau mit Ihrem Handeln auf das Entscheidungszentrum zielen:

 

 

Mögliche Schwierigkeiten bei inspirierender Führung

Die Phase der wirklich inspirierenden Zielfindung kann sich mitunter  auch schwierig gestalten. das gilt insbesondere für die Typen unter uns, die gerne einem nicht erreichbaren Vorbild nacheifern oder sich selber mit Tier-Attributen beschreiben. Ich habe zahlreiche Führungskräfte kennengelernt, die versuchen, z.B. anhand von Eigenschaften eines Löwen oder eines Adlers oder eines Wolfes ihre Wirkung zu vergrößern. Dies kann sicherlich in bestimmten Situationen helfen – allerdings führt dieser Ansatz generell doch sehr schnell zur Begrenzung der eigenen Fähigkeiten. Denn wenn sich in einer wichtigen Verhandlung nur „hungrige Wölfe“ an einem Tisch gegenüber sitzen und die gleiche Strategie verfolgen, dann ist das (Nicht)Ergebnis schon vorprogrammiert. Wirkliche Individualität und ernst gemeinte strategische Führung sehen aber deutlich anders aus.

Die Offenheit für neue Methoden und die Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen sind hier der Schlüssel zum Erfolg. Denn strategische Zielführung besteht grundsätzlich aus:

  1. Intrinsischer Motivation
  2. Umsetzung von Wissen
  3. Mut zur Umsetzung

 

Inspirierende Führung als Zielverfolgung besteht aus:
Wollen, Können + Wagen

Schon der römische Philosoph Seneca beschrieb vor mehr als 2000 Jahren, dass ein Ziel sich in drei Teile zerlegen lässt:

„Wollen: Das Ziel muss angestrebt werden.

Können: Das Ziel muss erreichbar sein.

Wagen: Das Ziel muss verfolgt werden.“[2. Seneca Lucius Annaeus: Vom glückseligen Leben; Quelle: http://www.pinselpark.org/philosophie/s/seneca/glueck/glueck1_1.html]

Jeder muss den ernsthaften Willen in sich tragen, das Ziel wirklich erreichen zu wollen. Das wirkliche eigene Können bildet dann die Grundlage für die Zielerreichung. Hinzu muss dann noch der Mut kommen, etwas Tatsächliches zu wagen.

Also vertrauen Sie auf Ihren eigenen Willen und Ihr wahres Können – und haben Sie dann noch den Mut, Ihre Ziele inspirierend von Innen nach Außen zu verfolgen.

 

Quellen: