Jeden Monat stelle ich im Format „Lesestoff“ einige Reportagen, Interviews und Berichte aus anderen Medien vor, die mir positiv aufgefallen sind. Dabei geht es oft um Management, Führung und Wirtschaft – aber längst nicht immer. Auch in den Bereichen Kultur, Gesellschaft und Medien stoße ich immer wieder auf Inhalte, die ich für empfehlenswert halte. Here we go.

 

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photo credit: Mercedes SLS AMG via photopin (license)

Der erfolgreiche Schnauzbart

Als Daimler-Chef Dieter Zetsche 2006 die Leitung des Autokonzerns übernahm, steckte dieser zwar nicht in der Krise, aber hatte doch mit einem schlechten Image zu kämpfen: Unsexy sei der Stern gegenüber den Mitstreitern Audi und den Karossen aus den bayerischen Motorenwerken. Seitdem hat sich einiges getan, Daimler bestritt 2014 das vierte Rekordjahr in Folge. Zetsche hat seine Hausaufgaben gemacht. Wolfram Weimer hat die wirtschaftliche Erfolgsstory für n-tv skizziert, wo Zetsche letzte Woche zur Person der Woche gekürt wurde. Verdient, wie ich finde. Nur für Übermut und zu viel Selbstsicherheit sollte er sich schützen:

„Der Daimler-Bismarck ist sich seines Imperiums so sicher, dass er selbst die Ankündigung von Apple, möglicherweise ins Automobilgeschäft einzusteigen, mit einem milden Lächeln quittiert.“

Dieter Zetsche – der Auto-Bismarck

 

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photo credit: Time is up II via photopin (license)

Zeit zum Frühaufstehen

Bei Spiegel Online erschien letzte Woche ein Artikel, der anhand einiger ziemlich erfolgreicher Wirtschaftsbosse aufzeigte, wie lohnenswert das frühe Aufstehen sei. Von Claus Hipp bis Tim Cook scheint man vom Schlafen nicht allzu begeistert – irgendwie hatte der Artikel einen unangenehmen, heftig neoliberalen Beigeschmack. Seine Daseinsberechtigung hat er aber vor allem deshalb, weil er dem Autor Tilman Rammstedt eine großartige Glossen-Vorlage lieferte, die in der Freitext-Sparte des ZEIT Magazins veröffentlicht wurde. Absurd witzig, zum Totlachen. Ein Blick in die Kategorie Freitext lohnt sich eh, dort kommen Schriftsteller zu aktuellen Themen zu Wort.

„Ab halb sechs arbeitet Rammstedt seine Mails ab. Hauptsächlich sind das Entschuldigungsschreiben an die Bekannten, die er wegen der Videokonferenz geweckt hat. Er benutzt dazu sein „iPad“, wie er sein gebraucht gekauftes Medion-Laptop liebevoll nennt.“

Alles muss man selber machen!

 

Quelle: Welt.de
Quelle: Welt.de

Nazis in der arabischen Liga

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine ganze Reihe von hochrangigen Leuten aus Militär und Rüstungsindustrie, die weder angeklagt, noch arbeitslos wurden. Im Nahen Osten nahm man ihr Wissen über den Krieg, die Waffen und Strategien gerne an. Für den Kampf gegen Israel bzw. die Juden, von denen ein Großteil aufgrund des Zweiten Weltkriegs gerade erst dorthin geflohen war, heuerten Syrien und Ägypten an. Géraldine Schwarz hat diesen kaum bekannten Teil der Nachkriegsgeschichte in einem äußerst umfangreichen und ansehnlich layouteten Lesetück für die Welt aufgearbeitet.

„Die anderen sollten die Aufgabe vollenden, die der geschasste General Schmitt begonnen hatte: das ägyptische Heer auf Vordermann bringen. Der Chef war Wilhelm Fahrmbacher, ein ehemaliger Artilleriegeneral, Sein Büro lag direkt neben dem des Generalstabschefs der ägyptischen Armee.“

Der geheime Auftrag der Nazis im Nahen Osten

 

apple

Wie es ist, (nicht) bei Apple angenommen zu werden

Luis Abreu ist ein fähiger UX Designer, der begonnen hat über Design zu schreiben. In seinen zunehmend erfolgreichen Artikeln ging es um Apple und schließlich ist das Unternehmen selbst auf Abreu aufmerksam geworden. Sie boten ihm einen Job an bzw. einen potenziellen Job. Denn zunächst stand das aufwendigste Bewerbungsverfahren der Welt für diese Position an, an dessen Ende es schließlich hieß: Thank you.

„So when Apple asks me if I want to help improve their Developer Documentation: I’m in. I knew it would be something I’d enjoy as writing, teaching and development can all be designed.“

700 Billion

 

Bundeswehrsoldat in Afghanistan
Bundeswehrsoldat in Afghanistan

Keiner weiß, wie der Landser tickt –
Abrechnung mit einer dekadenten Gesellschaft

Einige studierende Offiziere der Bundeswehr-Universität haben in dem Sammelband „Armee im Aufbruch: Zur Gedankenwelt junger Offiziere in den Kampftruppen der Bundeswehr“ ihre Überlegungen zu unserer Gesellschaft niedergeschrieben. Herausgekommen ist gem. FAZ-Online eine Abrechnung mit unserer dekadenten Gesellschaft.

Jungen Offizieren kann niemand vorwerfen, dass sie noch nicht im Einsatz waren, wenn es ihr Ausbildungsgang bisher nicht vorgesehen hat. Dass sie sich aber Gedanken machen über ihren Beruf im Allgemeinen und über die Anforderungen eines Einsatzes im Besonderen, das muss man sogar von ihnen erwarten. Die Politik als Auftraggeber ist an der dadurch entstehenden Gedankenwelt genauso interessiert, wie die Bürger und Bürgerinnen unseres Landes, für die die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in den Auslandseinsätzen „ihren Kopf hinhalten“. Es finden sich Autoren, die nicht nur Nachdenklichkeit und persönliche Zweifel äußern sondern vielmehr auch davor warnen, sich nicht vor der Bevölkerung zu verstecken. Auch wenn der wissenschaftliche Nutzen dieses Sammelbandes sicherlich hinter den universitären Erwartungen zurückbleibt, so ist dieses Buch sicherlich eine ehrliche Wortmeldung zur kritischen Diskussion über die Rechtfertigung unserer Streitkräfte in der Gegenwart.

 

Keiner weiß, wie der Landser tickt