Das Konzept der schwachen Signale als Grundlage der strategischen Frühaufklärung, erscheint zunächst allerdings ein bisschen abstrakt. Das Konzept habe ich bereits im letzten Artikel mit Umrissen versehen. Nun wird es Zeit, diese Umrisse zu füllen: Mit konkreten Ansätzen für die Anwendung dieses Konzeptes. Denn letztendlich handelt es sich dabei nicht um irgendein Hexenwerk. Allerdings gibt es in den wenigsten Unternehmen eine echte Systematik, was die strategische Frühaufklärung angeht. So verfolgt man vielleicht die Nachrichten und beobachtet politische Veränderungen, man besucht Messen und blickt in Fachmagazine. Aber selten werden die dadurch identifizierten schwachen Signale zum Anlass für eine tiefere Recherche genommen. Stattdessen wartet man, bis der nächste – hoffentlich konkretere – Artikel im Fachmagazin erscheint. Unter Umständen ist dieser kleine, zeitliche Vorteil der dabei verspielt wird, allerdings viel Wert.

Scanning und Monitoring

Die beiden grundsätzlichen Aktivitäten der strategischen Frühaufklärung bestehen im Scanning und Monitoring. Scanning bezeichnet den ungerichteten Scanningvorgang, also das „Augen-offen-halten“ um schwache Signale zu identifizieren. Das Scanning erfolgt sehr subjektiv: Die Beteiligten suchen in unternehmensrelevanten Themengebieten nach schwachen Signalen. Ob ein schwaches Signal als solches identifiziert wird, hängt vor allem von der subjektiven Bewertung des Betrachters ab. Denn wie bereits im letzten Artikel erwähnt, lässt ein schwaches Signal Raum für Interpretation. Die erste Einstufung eines solchen Signals als relevant, ist bereits Teil der Interpretation.

Praktisch sieht das Scanning so aus, dass es stets einen Informationspool gibt, der von unterschiedlichen Kanälen befüllt wird: Das schließt abonnierte Magazine ebenso mit ein, wie auch Neuigkeiten aus internen Netzwerken, Newsletter der Konkurrenz, Börsenkurse, etc. Aber auch unternehmensinterne Statistiken bezüglich Personal, Auftragslage und Kapital gehören dazu.

Wurde ein Signal als relevant identifiziert, erfolgt das Monitoring. Hier findet dann eine gerichtete Suche statt, um ein schwaches Signal mit weiteren Informationen näher zu charakterisieren. Hierbei geht man bereits systematisch vor, letztendlich sucht man nach Hinweisen, die bereits Rückschlüsse auf mögliche Entwicklungen und Konsequenzen zulassen. Diese vertiefende Suche findet nicht einmalig statt. Vielmehr wird ein schwaches Signal mithilfe des Monitorings kontinuierlich weiter beobachtet, daher auch der Begriff Monitoring.

Praxistipp: Google Alerts

Kennen Sie Google Alerts? Bei Google Alerts können Sie Wörter/Suchbegriffe/Themenkomplexe eingeben und sich die neuen Treffer zum gewählten Keyword wöchentlich/täglich per E-Mail zuschicken lassen. Da Google mittlerweile sehr zügig neue Inhalte in den Index aufnimmt, lassen sich Google Alerts prima als Monitoring nutzen. Mit einem Google Alert für den eigenen Namen kann man zum Beispiel auch seine Reputation im Blick behalten. Mit einem Google Alert auf ein technisches Produkt bekomme ich täglich die neuesten Meldungen zu diesem Produkt ins Postfach. Ziemlich praktisch.

Frühaufklärung

Der Ablauf der Analyse

Für den Ablauf der strategischen Frühaufklärung haben sich zwei Konzepte – Battle-Konzept und Frühaufklärung nach Hammer – etabliert. Beide Konzepte sind sich grundsätzlich ähnlich. Allerdings favorisiere ich persönlich eher das Konzept nach Hammer, da es vollständiger und präziser ist.

Im Rahmen des Monitorings hat man ein schwaches Signal also bereits charakterisiert und bestenfalls auch kategorisiert. Dadurch wird eine thematische Ordnung der schwachen Signale erzielt. Aus der Gesamtheit schwacher Signale einer thematischen Zugehörigkeit lassen sich dann Verbreitungsmuster und Trends ablesen. So gewinnen die einzelnen Signale in der Gesamtbetrachtung an Aussagekraft. Dadurch lassen sich auch Prognosen und Auswirkungen ableiten, Szenarien aufzeigen. Nun muss ermittelt werden, inwiefern diese sich direkt auf das Unternehmen und die Unternehmensstrategie auswirken -?also inwiefern sie relevant für die eigenen Geschäftsprozesse sind. Diese Überprüfung sollte nicht subjektiv und durch irgendwen erfolgen (wie im ersten Schritt), sondern zum Beispiel durch eine Expertenbefragung. Eine solche Befragung müsste auch Auskunft über die Dringlichkeit möglicher Reaktionsstrategien geben, was einen zum nächsten Schritt bringt: Die Entwicklung von Reaktionsstrategien. Wird ein Signal als relevante Chance oder als relevantes Risiko eingeschätzt, müssen entsprechende Reaktionsstrategien entwickelt und implementiert werden.

Die Problematik der strategischen Frühaufklärung

Strategische Frühaufklärung ist eine gute Sache – ganz sicher. Und es hätte schon vielen Unternehmen gut getan, die entscheidenden Signale frühzeitig zu erkennen – manche Chance und/ oder Krise hätte so vermieden werden können. Aber die strategische Frühaufklärung ist keine einfache Aufgabe und wirft auch gewisse Probleme auf: So ist die Informationsaufnahme stark subjektiv geprägt auch auch die Relevanz von Signalen wird zumeist sehr subjektiv bewertet. Eine solche Subjektivität birgt die Gefahr, dass etwas übersehen wird. Die Interpretation der Signale ist zudem oftmals vage, Prognosen bleiben eben Prognosen – die Realität sieht doch immer ein bisschen anders aus, was auch die Erfolgsmessung der Frühaufklärung schwierig macht. Sie deshalb ganz auszuklammern, darf aber keine Option sein!