Dass Frühwarnsysteme als Teil des Controllings sehr wichtig im Rahmen der Krisenvorbeugung sind, habe ich bereits in meinem letzten Artikel herausgestellt. Heute soll es um strategische Frühwarnsysteme bzw. um die Frühaufklärung gehen. Bei meinen Recherchen habe ich festgestellt, dass die operativen Frühwarnsysteme in der Literatur den strategischen fast immer voranstehen. Das erschließt sich mir nicht wirklich , denn eine Krise beginnt auf der strategischen Ebene, geht dann über in eine Ertragskrise und mündet schließlich in der Liquiditätskrise – der operative Bereich steht also ganz am Ende. Theoretisch schlägt das operative Frühwarnsystem also erst dann an, wenn das strategische bereits versagt hat. Und deshalb werde ich es anders machen und mit dem strategischen Frühwarnsystem – genauer gesagt mit der strategischen Frühaufklärung – beginnen.

Unterschiedliche Frühwarnsysteme: Frühwarnung, Früherkennung, Frühaufklärung

Man kann bei den Frühwarnsystemen nicht nur zwischen operativen und strategischen unterscheiden, sondern sie auch unterschiedlich bezeichnen: Die Frühwarnung beinhaltet die Beobachtung und Hochrechnung der entscheidenden Kennzahlen, um mögliche Liquiditätsprobleme frühzeitig erkennen zu können. Die Früherkennung wird in der Regel auch den operativen Frühwarnsystemen zugerechnet – hat aber einen größeren zeitlichen Vorlauf als die Frühwarnung, da sie indikatorgestützt abläuft. Das strategische Frühwarnsystem wird zumeist auch als Frühaufklärung bezeichnet. Es soll eben nicht nur dazu dienen, entsprechende Risiken frühzeitig zu erkennen, sondern geht einen entschiedenen Schritt weiter: Erfolgspotenziale und neue Chancen werden ebenfalls aufgezeigt.

Das Konzept der Schwachen Signale

Das Konzept der schwachen Signale von Ansoff wird oftmals als grundlegende Basis strategischer Frühaufklärung angesehen. Es handelt es sich dabei um einen Denkansatz, nachdem jeder Entwicklung in allen Bereichen, sei es Wirtschaft, Politik, Gesellschaft oder Technik eine Kausalität zugrunde liegt. Jede Entwicklung wird als Ergebnis angesehen, das auch eine Ursache hat. Dem Konzept nach ist also jede unerwartete Entwicklung nur die Folge übersehener oder ignorierter Ursachen. Stellt sich die Frage: Was ist ein schwaches Signal? Schwache Signale lassen sich nicht klar benennen, es handelt sich vielmehr um einen sehr vagen Begriff. Schwache Signale sind prinzipiell Ereignisse, die Ursache einer Entwicklung sein können, dies aber nicht zwingend sein müssen. Sie lassen stets Interpretations- und Spekulationsspielraum. Je früher ein Signal entdeckt wird, desto größer ist der Interpretationsspielraum, doch desto mehr Zeit bleibt, um auf mögliche Entwicklungen zu reagieren. Ansoff unterscheidet allerdings zwischen fünf Stufen der Ungewissheit, beginnend bei größter Unkenntnis. Schwache Signale der ersten Stufe lassen kaum eine Prognose zu. In den weiteren Stufen lässt sich dann die Quelle und Gestalt möglicher Entwicklungen charakterisieren. In der vierten Stufe ist bereits die Entwicklung von Maßnahmen möglich und in der letzten Stufe lassen sich sogar die Konsequenzen der Maßnahmen abschätzen. Wird ein Signal erster Stufe identifiziert, versucht man mittels gezielter Informationssuche das Unwissen zu vermindern.

Was wird beobachtet?

Fruehaufklärung
Informationsnutzung – Die drei am häufigsten genutzten a) formellen und b) informellen Informationsquellen der Top Performer und Gesamtstichprobe aus der Studie von René Rohrbeck und Sarah Mahdjour.

Da alles vage scheint und die Informationsaufnahme eines jeden Unternehmens und Individuums begrenzt ist, stellt sich die Frage, was nun eigentlich beobachtet werden soll, um schwache Signale zu orten. Theoretisch müsste man seine Augen und Ohren ja überall haben. Im Rahmen der Recherche für diesen Artikel habe ich ein interessantes Benchmarking von René Rohrbeck und Sarah Mahdjour gefunden. Die Autoren haben dabei festgestellt, dass die Top-Performer unter den untersuchten Großunternehmen alle einen Blick auf das technologische Umfeld werfen und die meisten auch auf das wirtschaftliche Umfeld. Interessanter Fakt: Die Top-Performer haben eher ein Auge auf das politische Umfeld, während in der Gesamtstichprobe die Beobachtung des politischen und sozio-kulturellen Umfeldes gleichauf liegen.

Woher kommen die Informationen?

Sobald umrissen ist, welche Informationen für die strategische Frühaufklärung beim eigenen Unternehmen eine Rolle spielen soll, muss man sich Gedanken über die entsprechenden Quellen machen. Auch hier liefert die Studie Auskunft darüber, worauf die Unternehmen achten. Einerseits dienen natürlich die Medien als Quelle, darüber hinaus aber auch Datenbanken im Internet und Statistiken. Bei den informellen Quellen sind es interne Netzwerke – die laut des Benchmarkings insbesondere von den Top-Performern genutzt werden -, Konferenzen, Ausstellungen und persönliche Kontakte.

Umsetzung

Mit der Umsetzung möchte ich mich zwar erst im nächsten Artikel genauer beschäftigen, doch nur mit dem abstrakten Konzept abzuschließen ist auch nicht das Wahre.

Ein bisschen strategische Frühaufklärung hat schon jeder Unternehmer betrieben und ich bin mir sicher, dass viele von Ihnen auch selbst schon daran beteiligt waren. So stehen in fast jedem Unternehmen ein bis ein paar Mal im Jahr die obligatorischen Messebesuche an. Diese Messebesuche sind im Grund nichts anderes, als eine strategische Frühaufklärung: Was macht die Konkurrenz? Welche Trends zeichnen sich ab? Zwar handelt es sich um eine doch schon spezifische Frühaufklärung gepaart mit Networking – Frühaufklärung ist es dennoch. Wie strategische Frühaufklärung abseits von Messebesuchen aussieht, erfahren Sie im nächsten Artikel.