Gerade eben erst habe ich einen Artikel auf ZEITonline gelesen, der sich mit der aktuellen Situation von Studenten und Unis in Deutschland und deren Zukunft auseinandersetzt. Ich empfehle den Artikel zu lesen, denn diese Kolumne wird darauf aufbauen. Für Lesefaule gebe ich den Inhalt aber gern in zweieinhalb Tweetlängen wieder: Die Bemühungen der letzten Jahrzehnte, möglichst viele Schüler zu Studenten zu machen, tragen Früchte. Die Konsequenz: Überlaufene Unis, zulassungsbeschränkte Studiengänge in der Überzahl, Privatunis boomen. Die absehbare Zukunft: Den Universitäten fehlt Geld, Studiengänge und Professuren werden trotz hoher Nachfrage gestrichen.

Wir haben derzeit mehr Studenten in Deutschland, als jemals zuvor. 2,5 Millionen sind es laut Zeit mittlerweile. Eigentlich eine erfreuliche Botschaft – denn einfache Jobs gibt es immer weniger. Dafür steigt aber die Diversität der Studiengänge, von Pflege- bis Baubetriebsmanagement ist ja inzwischen alles möglich. Doch gerade für die Schulabgänger hat die Sache einen Haken: Fast jeder staatliche Studiengang ist zulassungsbeschränkt. Gut, vielleicht nicht jeder, aber laut Zeit-Artikel immerhin mehr als die Hälfte. Für Schüler ist das furchtbar frustrierend, denn viele können trotz gutem oder sehr gutem Abitur nicht das studieren, was sie möchten. Ich spreche da aus Erfahrung. So gerade Eins vor dem Komma – aber ein staatliches Journalismusstudium? Keine Chance. Durchschnitt 1,9 oder 2,5, das wäre bei mir völlig egal gewesen. Ich wollte aber schon immer Journalist (o. Ä.) werden, deshalb habe ich an einer privaten Fachhochschule studiert – der KfW-Bank sei Dank. Ganz schnell fragt man sich dann aber wofür man sich eigentlich die letzten paar Jahre gelernt, bzw. wieso man nicht etwas Sinnvolleres getan hat, als zu lernen (soll es ja durchaus geben)?

Hinzu kommt der Ärger über ein völlig sinnbefreites NC-System. Was hat der Abiturdurchschnitt mit den eigentlichen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen eines Schülers zu tun? Nichts – es ist ja schließlich ein Durchschnitt. Gerade die Schüler, die nicht überall gut sind, aber echte Talente haben, werden durch dieses System vom staatlichen Hochschulsystem ausgeschlossen. Aber das mit dem NC ist ja eine ganz andere Geschichte.

Volle Hörsäle gibt’s nicht erst seit gestern

Nun ist es so, dass immer mehr Studiengänge gestrichen werden und immer mehr Professuren unbesetzt bleiben. Unter ersterem leidet das Hochschulsystem insgesamt, unter letzterem leidet die Qualität des Studiums. In der Soziologie-Fakultät in Bielefeld ist das Thema gerade brandaktuell – und dabei geht es um den Aushängestudiengang der Uni. Es handelt sich also ganz sicher nicht um Scheinprobleme, die der Zeit-Artikel benennt. Den Universitäten fehlt Geld, weil mehr Studenten eingeschrieben sind, als eigentlich aufgenommen werden können. Das Problem wurde durch die Jahrgänge mit doppeltem Abitur in den letzten Jahren massiv verstärkt, ist aber schon viel früher entstanden. Bereits 2009, als ich mein Abitur gemacht habe, gab es an der Universität Paderborn schon Vorlesungen, bei denen die Studenten aufgrund von Platzmangel auf dem Boden sitzen mussten. Doppeljahrgänge gab es zu dem Zeitpunkt aber noch nicht.

In Berlin gibt es unzählige Standorte von Hoch- und Fachhochschulen - ein paar staatliche und zirka 30 private.
In Berlin gibt es unzählige Standorte von Hoch- und Fachhochschulen – ein paar Staatliche und zirka 30 Private.

Studenten unerwünscht?

Die Länder sind wenig bereit, mehr Geld in die Hochschulen zu stecken, die Schuldenbremse zwingt zum Sparen. Vielleicht liegt es auch daran (Achtung, steile These), dass Studenten kurzfristig eher wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen, weil sie während des Studiums in der Regel weniger verdienen, als die meisten Auszubilden. Länder müssen zudem ja auch für Wohngeld und Bafög aufkommen, für letzteres ab 2015 allerdings nicht mehr. Studenten liegen Staat und Ländern für ein paar Jahre auf der Tasche, das ist eben so. Dafür bringen sie in der Regel am Ende wieder mehr ein.

Letztlich bleibt vielen jungen Leuten dann nur das private Studium. Irgendwie geht es ja auch, zur Not eben mit Kredit. Den holen sich die Studenten dann bei der KfW, die wiederum zu 4/5 vom Bund und zu 1/5 vom den Ländern getragen wird. Letztendlich wird das Problem der Finanzierung also von einer Ecke in die nächste geschoben. Und wer profitiert von alldem? Private Hochschulen, die wie Pilze aus dem Boden schießen und deren Direktoren Autos fahren, von denen der staatliche Lehrstuhl nur träumen kann.