Der Kapitän eines Segelschiffes ist nicht in der Lage, das Schiff auf neuen Kurs zu bringen, wenn die Mannschaft nicht will. Genauso wenig ist der Unternehmer in der Lage, seine Organisation zu verändern, wenn die Belegschaft sich verweigert. Ein guter Change Manager überzeugt die Belegschaft bei Widerständen vom Nutzen einer Veränderung. Ein sehr guter Change Manager setzt im Vorhinein alles daran, den Widerständen der Belegschaft vorzubeugen, auch wenn dadurch eine Verzögerung auftritt. Unterm Strich wird diese nämlich wieder ausgeglichen, wenn die Überzeugung zur Veränderung deutlich überwiegt und es zu einem reibungsloseren Ablauf kommt. Dass es diese Widerstände in jedem Fall gibt, egal wie nützlich eine Veränderung ist, sollte bereits in den letzten Artikeln zum Thema Change Management klar geworden sein. Heute soll es darum gehen, welche Arten von Widerständen es gibt und was deren Ursachen sind.

Widerstände treten in unterschiedlichen Formen auf

Eins vorweg: Wenn es um Widerstände von Mitarbeitern geht, sind die Mitarbeiter, die ihr Unverständnis argumentativ zum Ausdruck bringen, das geringste Problem – denn mit ihnen kann man ja reden. Viel problematischer sind verdeckte Widerstände, die den Personen selbst oft nicht einmal bewusst sind. Man unterscheidet daher zwischen offenem und verdecktem Widerstand. Offener Widerstand kommt durch Kritik, Beschwerden oder Handlungen gegen das Projekt zum Ausdruck. Verdeckter Widerstand hingegen ist subtil, äußert sich in Lustlosigkeit und Desinteresse, scheinbarem Unwissen, Ausweichen, Schweigen und offensichtlich unnötigen Diskussionen. Gleichzeitig kann sich Widerstand auch in übertriebenem Engagement bei unwichtigen Aufgaben oder dem Einfordern von unnötigen Informationen äußern. Das Problem: Lustlosigkeit bei der Arbeit muss nicht zwingend einen Widerstand bedeuten; vielleicht hat der Mitarbeiter nur einen schlechten Tag und ist mit den Gedanken woanders. Das passiert jedem mal. Es kommt daher auch auf die Frequenz und Kombination dieser Ausprägungen von Widerstand an. Um diese Widerstände überwinden zu können, muss man ihre Ursachen kennen.

Die Ursachen von Widerstand

Rationale Ursachen

Rationale Ursachen für Widerstände betreffen in der Regel ökonomische, technische oder rechtliche Aspekte der geplanten Veränderungen. Diese Ursachen basieren auf Fakten und logischen Zusammenhängen. Geht man davon aus, dass der „Change „die optimale Lösung ist, lassen sich diese Ursachen mithilfe von fakten- und logikbasierter Argumentation ausmerzen.

Widerstaende

Persönliche und emotionale Widerstände

Bei den persönlichen und emotionalen Widerständen ist das wesentlich schwieriger, denn sie sind eben nicht rational. Angst spielt dabei eine dominierende Rolle: Angst vor Arbeitsplatzverlust, Angst vor Kontrolle, Angst vor Statusverlust, Transparenz oder davor, etwas Neues lernen zu müssen. Diese Ängste werden von Bedürfnissen flankiert, die oftmals mit den Ängsten in Zusammenhang stehen. So hat der eine Mitarbeiter Angst davor in der Hierarchie weiter nach unten verschoben zu werden, während der Kollege seine bisher wahrscheinliche Beförderung in Gefahr sieht – folglich geht es um das Bedürfnis nach Status und Macht.

Es ist geradezu unmöglich, diese Widerstände in Gänze zu erfassen, geschweige denn sie zu überwinden. Doch es gilt wie so oft die Pareto-Regel: 80 Prozent der Widerstände können mit 20 Prozent des Aufwandes zur Auflösung von Widerständen überwunden werden.

Widerstand ist kein per se schlechtes Zeichen

Widerstand gegen Veränderungen erscheint jedem Unternehmer zunächst als Klotz am Bein. Allerdings hat Widerstand durchaus positive Aspekte. Zunächst einmal sind Widerstände Zeichen einer echten Veränderung. Stellt sich kein Mitarbeiter quer, äußert niemand Bedenken und macht jeder weiter wie bisher, dann kann man davon ausgehen, dass die geplante Veränderung keine tatsächliche Veränderung mit sich bringt. Zum anderen regen Widerstände zur Reflexion über das geplante Vorhaben an: Scheinen die Widerstände unendlich groß, ist das Vorhaben entweder nicht richtig durchdacht, oder es wurden Fehler bei der Kommunikation gemacht.

Wie man Widerständen vorbeugt und vorhandene Widerstände überwindet, werde ich im nächsten Artikel genauer erläutern.