Vor kurzem wurde ich auf e-fellows.net „Das Online-Stipendium & Karrierenetzwerk“ aufmerksam. Die Betreiber haben sich selbst auf die Fahnen geschrieben, die besten Studenten mit den besten Unternehmen zu verbinden. Mir gefällt zum einen die Grundidee, zum anderen spricht die Liste der Partnerunternehmen für sich. Daraufhin habe ich mir das Netzwerk ein bisschen genauer angesehen.

Wer macht mit?

Jedes Netzwerk ist nur so gut wie seine Mitglieder. Daher blickt man bei einem Karrierenetzwerk natürlich zunächst auf die Liste der Unternehmen. Daran lässt sich schon einmal grob einschätzen, ob sich eine Teilnahme mit Blick auf die Karriere tatsächlich lohnt. Bei e-fellows war ich überrascht: DAX-Unternehmen wie die Deutsche Bank, die Deutsche Telekom oder Siemens sind ebenso vertreten wie mehrere Verlagsgruppen bzw. Medienunternehmen (Holtzbrinck, ZEIT, Bertelsmann) oder auch McKinsey, Clifford Chance, Bosch und Amazon. An großen Namen mangelt es also nicht. Der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass die ZEIT Verlagsgruppe und McKinsey und Company Inc. gleichzeitig Gesellschafter der e-fellows.net GmbH & Co KG sind.

Wie funktioniert e-fellows?

Namedropping ist natürlich nicht alles. Entscheidend ist, wie das Netzwerk funktioniert und mit welchen Mitteln die Studenten und Unternehmen zusammengebracht werden? Bei e-fellows funktioniert dies auf mehreren Ebenen. Als Student kann man sich einen Account erstellen und ein detailliertes Profil inklusive Lebenslauf anlegen. Das Profil lässt sich auch direkt mit anderen Profilen der einschlägigen sozialen Netzwerke verbinden. Ein Kernfeature des Netzwerks ist der Newsletter. Dieser lässt sich zudem über den eigenen Account personalisieren. Jeder Nutzer kann seine bevorzugten Inhalte über Studienfächer auswählen. Die Newsletter kommen je nach Art monatlich oder 14-tägig – angereichert mit Karrierewissen, Stellenangeboten und Hinweisen auf kommende Events, die zum eigenen Profil passen könnten.

A propos Events: Der Zugang zu exklusiven Events, bei denen man persönlich mit den Partnerunternehmen in Kontakt treten kann, scheint die wahre Stärke des Netzwerks zu sein. In der Veranstaltungsreihe „Power Breakfast“ können sich Stipendiatinnen in lockerer Runde mit Referentinnen der Partnerunternehmen austauschen. „Face2Face“ bringt dann Stipendiaten kurz vor Studienende mit den Unternehmen zum Kennenlernen zusammen. Darüber hinaus gibt es eine ganze Menge weitere Veranstaltungen. Davon zeugt der Veranstaltungskalender am linken Rand der Website.

Community und Mentorenprogramm

Das Netzwerk hat selbstverständlich eine große Jobboerse, die ich an dieser Stelle allerdings nicht weiter erklären will. Jobboersen sind kein nennenswertes Alleinstellungsmerkmal. Die Community von e-fellows hingegen schon  – denn hier sind nicht nur Studenten, sondern ebenfalls Mitarbeiter aus den Unternehmen und externe Experten aktiv. In dieser Woche zum Beispiel stehen Coaches aus Psychologie und Wirtschaft zum Gespräch über Zeitmanagement zur Verfügung. Leider bekomme ich mit meinem „Member“-Status keinen Zugang zur Community und kann mir deshalb kein genaueres Bild machen. Schade, hier sehe ich ich noch weiteres Potential.

Wer ein Stipendium hat, kann nicht nur die Community nutzen, sondern auch am Mentorenprogramm teilnehmen. Die Partnerunternehmen haben Mentoren aus ihren Reihen, die die Stipendiaten direkt und persönlich betreuen bzw. unterstützen. Wahrscheinlich ist das Mentorenprogramm die beste Möglichkeiten, einen Fuß bei einem der Unternehmen in die Tür zu bekommen.

Das Stipendium

Die entscheidenden Services von e-fellows.net können nur von den Stipendiaten genutzt werden. Aus dem eigenen Profil heraus kann man sich direkt für ein Stipendium bewerben. Das Netzwerk hat insgesamt 30.000 Stipendiaten, über 100.000 Mitglieder und gut 30.000 Alumni. Gute akademische Leistungen sind natürlich die Grundvoraussetzung für das Stipendium. Stipendiaten haben ihr Abitur im Durchschnitt mit 1,4, das Studium mit der Note 1,5 abgeschlossen. Darüber hinaus zählen Wirtschaftsinteresse und besonderes Engagement. Über die bereits beschrieben Leistungen hinaus, gibt es auch geldwerte Leistungen für Stipendiaten. Dazu gehört u.a. der Zugang zu Software, Büchern, Zeitungsabos und Seminaren, die teilweise auch den Alumni erhalten bleiben.

Nachteile

e-fellows

Lange habe ich nach Erfahrungsberichten gesucht, um nicht vollkommen in Lobhudelei zu verfallen. Da die Bewerbung für das Stipendium aber nichts kostet, haben Bewerber im Grunde nichts zu verlieren, selbst wenn die Bewerbung abgelehnt wird. Schaut man sich die Fächer-Struktur der Stipendiaten an, fällt allerdings auf, dass der Fachbereich Wirtschaft am stärksten vertreten ist. Geisteswissenschaftler gibt es nicht einmal halb so viele. Beim Blick auf die Partner-Unternehmen scheint diese Gewichtung nicht verwunderlich. Dennoch bleibt die Frage, ob neben den angegeben Bewerbungskriterien das Studienfach an sich schon ein Kriterium darstellt und wie groß der Einfluss der Partnerunternehmen auf die Auswahl ist.

Als einzigen „Wermutstropfen“ konnte ich Folgendes ausmachen, das in meinen Augen aber kaum der Rede wert ist: Als Stipendiat oder Alumni ist es nicht möglich alle Newsletter abzubestellen. Einige Alumni stören sich daran. Wer gar keinen Newsletter mehr erhalten möchte, muss sich vollständig von e-fellows abmelden. Dass aber der Erhalt eines zweiwöchigen Newsletters die einzige Bedingung ist, um als ehemaliger Stipendiat weiterhin e-fellows nutzen zu können, halte ich für ein gutes Geschäft. Insbesondere, da zahlreiche Leistungen des Stipendiums auch nach Ablauf erhalten bleiben.