Bisher ging es beim Thema Motivation immer um die Entstehung, Umsetzung und Begründung von Verhaltensweisen. Heute geht es aber um das Arbeitsverhalten mit Blick auf die Folgen für die Organisation bzw. das Unternehmen als Ganzes. Unabhängig von den Gründen für ein bestimmtes Verhalten, steht nun die Frage im Raum, wie sich das Arbeitsverhalten von Mitarbeitern klassifizieren lässt und wie es sich auf die Realisierung der Unternehmensziele auswirkt. Die Forschung ist sich in diesem Bereich noch sehr uneinig, empirische Belege sind rar gesät, insbesondere wenn man die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Dimensionen des Arbeitsverhaltens betrachtet. Aber welche Dimensionen gibt es nun überhaupt?

Ziele und Regeln als Dimensionen des Arbeitsverhaltens

Nach O. Neuberger (2006) lässt sich das Arbeitsverhalten in zwei Dimensionen darstellen. Das Arbeitsverhalten kann entweder den Zielen des Unternehmens schaden oder sie fördern, gleichzeitig können dabei die Regeln befolgt oder verletzt werden. Aus diesen Dimensionen ergeben sich unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten.

Regeln befolgen + Unternehmenszielen schaden = „Dienst nach Vorschrift“

Wenn sich die Handlungen der Mitarbeiter streng an den formalen Vorgaben des Arbeitsvertrags orientieren und jegliche Leistung darüber hinaus verweigern, spricht man vom „Dienst nach Vorschrift“. Tatsächlich schadet der ein strenger Dienst nach Vorschrift dem Unternehmen enorm. Bekanntestes Beispiel ist der Fluglotsenstreik von 1971, der in Form eines Dienstes nach Vorschrift vollzogen wurde.

Regeln verletzen + Unternehmensziele fördern = „Intrapreneurship“

Wer geltende Regeln außer Acht, lässt um die Ziele der Organisation zu fördern, legt ein Intrapreneurshipartiges Arbeitsverhalten an den Tag, ist ein Unternehmer im Unternehmen. Diese Form des Arbeitsverhaltens ist bislang kaum erforscht. Tatsächlich ist es dieses Arbeitsverhalten, das den Stoff für die klassischen Heldengeschichten aus Film, Fernsehen und Literatur hergibt: Der Polizist, der Dienstvorschriften verletzt, um den Verbrecher zu stellen. Die Verletzung von Regeln im Rahmen des gesunden Menschenverstandes, was auch immer das im Detail heißen mag, kann allerdings im Sinne des Unternehmens wünschenswert sein, solange sie nicht massiv ist.

Regeln befolgen + Unternehmensziele fördern = „Extraproduktives Verhalten“

Regeln verletzen + Unternehmenszielen schaden = „Kontraproduktives Verhalten“

Die beiden letzten Verhaltensweisen sind eine genauere Betrachtung wert. Sie sind für Unternehmer und Führungskräfte besonders relevant, denn während Extraproduktives Verhalten unbedingt gefördert werden sollte, muss kontraproduktives Verhalten in jedem Fall vermieden werden. Wie negativ sich dieses auf ein Unternehmen auswirkt, zeigte bereits Greenwalds Feld-Experiment, dass ich im letzten Artikel kurz vorgestellt habe. Um extra- und kontraproduktives Verhalten angemessen zu klassifizieren, muss man natürlich erst einmal feststellen, was produktives Arbeitsverhalten ist.

Arbeitsverhalten
Bild: Bernd Kasper / pixelio.de. Fluglotsen dürfen als Beamte nicht streiken. Allerdings reicht bei ihnen schon der Dienst nach Vorschrift, um den Flugverkehr massiv einzuschränken, wenn nicht gar lahmzulegen. In Deutschland ist diese Streikform der Fluglotsen seit 1973 rechtswidrig (Fluglotsenurteil). In anderen europäischen Ländern wird der Dienst nach Vorschrift aber immer wieder von Fluglotsen als Mittel des Arbeitskampfes eingesetzt.

Produktives Arbeitsverhalten

Im Springer Lehrbuch „Arbeits- und Organisationspsychologie“ wird zwischen Leistungsverhalten, Leistung und Produktivität unterschieden.

Das Leistungsverhalten bezeichnet das Verhalten innerhalb aller betrieblichen Aufgaben.

Leistung oder Effektivität kennzeichnet die Beiträge eines Mitarbeiters zur Erreichung der Unternehmensziele.

Produktivität meint die Leistung im Hinblick auf die Kosten (Input, Output).

Wird abschließend nun das „produktive Arbeitsverhalten“ betrachtet und bezieht man sich dabei vorrangig auf das Leistungsverhalten, da sich nur dieses Element vollständig auf den einzelnen Mitarbeiter konzentriert, während Leistung und Produktivität auch von äußeren Faktoren abhängen, lassen sich natürlich die drei Variablen nicht voneinander trennen. Denn Leistungsverhalten ist das Mitte,l um Leistung zu erreichen. Dennoch geht es bei der Betrachtung von extra- und kontraproduktivem Verhalten im folgenden Artikel explizit um die Besonderheiten im Leistungsverhalten, das entweder Regeln verletzt und den Zielen schadet, oder Regeln befolgt und Unternehmensziele fördert.