Bevor man sich über Motivation im Bezug auf das Arbeitsleben unterhält, sollte zunächst einmal grundsätzlich erklärt werden, was Motivation eigentlich ist und wie sie entsteht. Gar nicht so einfach: Bei der Vielzahl an Ansätzen lässt sich kaum der Überblick behalten. Das Aufgreifen und updaten vorhandener Theorien durch andere Wissenschaftler macht die Aufgabe zudem nicht gerade leichter. Deshalb halte ich mich zunächst einmal weitestgehend an die umfassenden Erkenntnisse von John Barbuto und Richard Scholl, denn erstens beziehen sie die Vorarbeit anderer bedeutender Motivationstheoretiker wie Herzberg und Bandura mit ein, und zweitens sind derenHypothesen in Teilen auch empirisch bestätigt. Allerdings dürfen auch die aktuelleren Forschungsergebnisse der Neurobiologie nicht völlig vernachlässigt werden, dank der man inzwischen weiß, dass z.B. reine Neugier einen Teil der Motivation ausmacht.

Extrinsische und Intrinsische Motivation

Das menschliche Streben nach Zielen nennt sich Motivation und kann – vereinfacht gesagt – sowohl durch innere als auch durch äußere Einflüsse entstehen. Deshalb wird auch zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation unterschieden. Doch auch innerhalb dieser Dimensionen lassen sich verschiedene Motivationen identifizieren. Die interne Prozessmotivation kennzeichnet Handlungen, die um ihrer selbst Willen ausgeführt werden – beispielsweise aus Spaß. Das interne Selbstverständnis kommt hingegen zum tragen, wenn das Handeln von einer inneren Idealvorstellung der eigenen Person gelenkt wird.

Unter den extrinsischen Motivationen, basiert die instrumentelle Motivation auf der Aussicht auf konkrete Vorteile oder die Vermeidung von Nachteilen, z.B. eine Gehaltserhöhung. Das externe Selbstverständnis kommt zum Tragen, wenn die Handlung durch die Erwartungen an die eigene Rolle motiviert ist: „Das erwarten andere von mir.“ Bei der Internalisierung von Zielen wird davon ausgegangen, dass die Person sich mit den Zielen eines Unternehmens oder einer Organisation gemein macht. Die Umsetzung von Motiven in konkrte Handlungen, nennt die jüngere Forschung auch Volition. So viel zum kurzen Abriss der Motivationstheorie nach Barbuto und Scholl.

Motivation
Die fünf Quellen der Motivation nach Barbuto und Scholl. Quelle: Institut für Management-Innovation, Prof. Dr. Waldemar Pelz, (CC-BY-SA-3.0), via Wikipedia.

Motivation 2.0

Die Forschung rund um Motivation ist in den letzten Jahren stark in Bewegung gekommen. Inzwischen lassen sich Botenstoffe, in diesem Zusammenhang vor allem Dopamin, und deren Ausschüttungsmechanismen immer besser empirisch nachvollziehen. Neue Technologien werden so zu Schlüsseln der Neurobiologie. Es wird in den nächsten Jahren noch viele Überarbeitungen und Verwürfe von vorhandenen Theorien geben. Der Neurobiologe Prof. Dr. Joachim Bauer beschäftigt sich mit der Entschlüsselung des Motivationssystems im Gehirn. Er gelangte schließlich zu der Kernaussage, dass Motivationen primär aus dem Wunsch nach gelungenen zwischenmenschlichen, sozialen Beziehungen entspringen. Daraus lässt sich zunächst einmal ableiten, dass Betriebsklima und persönlicher Umgang im Unternehmen den größten Einfluss auf die Motivation der Mitarbeiter haben. Das ist auch nicht neu, doch nach Bauer ist dieser Einfluss der tatsächlich maßgebende, bisher nicht ignoriert, aber dennoch sehr oft unterschätzt.

Wie nähert man sich diesem Thema nun am besten an?

In den nächsten Wochen werde ich das Thema Motivation deshlab von unterschiedlichen Seiten angehen. Was hat Motivation mit Engagement zu tun? Was ist extra- und kontraproduktives Handeln, wie wirkt sich erlebte Ungerechtigkeit auf den Arbeitsalltag aus, wie schafft man Möglichkeiten, positiv mit unvermeidlichen Ungerechtigkeiten umzugehen? Auch die Zielsetzungstheorie wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Am Ende der Beitragssequenz sollte Motivation ein weniger undurchdringlicher Theoriedschungel sein – mit entsprechenden Grundsätzen für den praktischen Arbeitsalltag.