Jede Projektarbeit ist geprägt von Momenten der Entscheidung – aber auch von Konflikten, denn schließlich sollen die unterschiedlichen Perspektiven und Fähigkeiten der Teammitglieder das beste Ergebnis erzielen. Diese Ergebnisse werden insbesondere durch konstruktive Diskussionen unterschiedlicher Positionen erzielt. Doch nicht immer verlaufen Diskussionen erfolgreich: Offene und verdeckte Konflikte können die Projektarbeit behindern, verzögerte Entscheidungen die Planungen durcheinander bringen, etc.. Wie lassen sich diese Schwierigkeiten lösen? Duellpistolen sind inzwischen aus der Mode gekommen.

Der Konsens ist das Ziel

In jeder Projektarbeit müssen unendlich viele Entscheidungen getroffen werden. Die maßgeblichen davon, müssen in der gesamten Projektgruppe besprochen werden – interdisziplinär und hierarchielos. Hier liegt oft das Problem: Jedes Teammitglied ist sich nur seines eigenen Hintergrundes bewusst und trifft seine Entscheidung vor diesem. Im Projektteam müssen Grundsatzentscheidungen allerdings interdisziplinär getroffen werden. Außerdem sollten unterschiedliche Hierarchien außerhalb der Projektarbeit keinen Einfluss auf die Dominanz Einzelner innerhalb der Projektarbeit haben. Im besten Fall werden Entscheidungen also im Konsens getroffen. Das nicht alle immer zu hundert Prozent hinter einer Entscheidung stehen ist klar, doch darum geht es auch nicht. Konsens finden heißt auch: Eine Entscheidung mittragen zu können, auch wenn sie teils von der eigenen Meinung abweicht. Es geht also um die Akzeptanz, und diese ist durchaus erlernbar. Damit die Konsensfindung gelingt, müssen allerdings einige Voraussetzungen gegeben sein: Der Konsens lebt davon, dass jeder Beteiligte seine Meinung eingebracht hat und mit der Lösung leben kann (was wiederum Kritikfähigkeit voraussetzt). Bei der Diskussion sollten daher wirklich alle Projektgruppenmitglieder zu Wort kommen – nicht nur damit man jedem gerecht wird, sondern vor allem auch um den bestmöglichen Informationsstand zu erreichen. Berechtigte Einwände kommen manchmal erst zutage, nachdem Teammitglieder aktiv dazu aufgefordert wurden, sich zu äußern. Cliquenbildung ist ebenso zu vermeiden wie voreilige Entscheidungen. Letztere sind in der Praxis, vor allem oft auf mangelndes Zeitmanagement zurückzuführen. Denn ein Konsens braucht die notwendige Zeit! Interessanterweise wird die Zeitersparnis, die durch einfache demokratische Abstimmungen oder Einzelentscheidungen durch den Gruppenleiter erreicht wird, im Laufe der Entscheidungsumsetzung wieder ausgeglichen: Zum einen sorgt die mögliche Unzufriedenheit über die Entscheidung für Widerstände und mangelnde Motivation, zum anderen stellen sich nicht beachtete Bedenken Einzelner in der Umsetzung vielleicht tatsächlich als berechtigt und gravierend heraus – was das Projekt schnell um Tage bis Wochen zurückwirft. Es gilt daher von Anfang an genug Zeit für die Entscheidungsfindung anzusetzen.

Konflikt
Bild: Robin Backes / pixelio.de

Ein Konflikt hat weder Gewinner noch Verlierer

In der Projektarbeit sollten von Anfang an klare Regeln zu Konfliktlösung aufgestellt werden. Auch wenn es sich dabei um offensichtliche Regeln handelt, muss dies aktiv geschehen. „Diskussionen und Konflikte werden offen ausgesprochen“, könnte eine solche Regel sein. Den Projektmitarbeitern muss klar sein, dass es innerhalb des Teams keine Gewinner und Verlierer und auch keine Machtkämpfe gibt, bzw. geben darf. Die Sachebene ist entscheidend, denn auf dieser befindet sich das Projektziel. Damit die Regeln eingehalten werden sollte man nach einer Projektsitzung auch ein Fazit zum Gruppenverhalten ziehen. Wurde angemessen miteinander umgegangen? Gibt es Anzeichen für persönliche Machtkämpfe oder ähnliches? Der Projektleiter ist an dieser Stelle besonders gefordert: Er muss die Anzeichen erkennen. Ein viel größeres Problem sind nicht die offenen, sondern die verdeckten Konflikte. Diese äußern sich z.B. in subtiler Aggression oder Restriktion. Oft kann nur das persönliche Gespräch Widerstände und verdeckte Konflikte lösen. Die offene Diskussion ist hier in der Regel fehl am Platz, da verdeckte Konflikte fast immer auf der persönlichen Ebene stattfinden, nur selten geht es um die Sache selbst. Auch hier ist es Aufgabe des Projektleiters die Differenzen anhand ablehnender Verhaltensweisen zu erkennen und das Gespräch zu suchen. Eine Patentlösung für diese Konflikte gibt es leider nicht, aber wenn man es bis zum Gespräch geschafft hat, liegt der halbe Weg in Richtung Lösung bereits hinter einem.