In der großen Palette der Finanzierungsmöglichkeiten, fehlt hier noch der Kapitalschnitt. Dieser ermöglicht die Vermeidung von Verlusten in der Bilanz, ist aber mit enormen Verlusten für die Anleger verbunden. Der Kapitalschnitt ist die letzte Hoffnung, ein Unternehmen zu retten, und daher sehr selten. Die Rettung von Solarworld war eines der prominentesten Beispiele für eine Rettung mithilfe dieses Instruments in der jüngeren Vergangenheit. Doch mitten in der Sanierung verleibt sich die Solarworld AG die marode Solarsparte von Bosch ein – ein gewagtes Unterfangen.

Wie funktioniert der Kapitalschnitt?

Ein Kapitalschnitt ist grundsätzlich nur bei einer Aktiengesellschaft oder einer GmbH als Beschluss einer Hauptversammlung möglich. Das Grundkapital wird dabei nominell herabgesetzt, um den Jahresfehlbetrag auszugleichen – in der Regel geschieht dies durch den Einzug von Anteilen. Danach folgt wiederum eine effektive Erhöhung des Grundkapitals, durch die Verteilung neuer Anteile. Der Vorteil: Das neu eingesetzte Kapital ist nicht an die Deckung der früheren Verluste gebunden. Kein Wunder, dass der Kapitalschnitt für die Aktionäre bzw. Gesellschafter das letzte Mittel ist. Schließlich werden sie erst einmal enteignet und müssen anschließend neues Kapital zuschießen, sofern sie ihre Anteile halten wollen.

Solarworld_Kapitalschnitt
2007 lag der Wert einer SolarWorld Aktie bei fast 50 Euro. Derzeit ist die Aktie 80 Cent wert.

Solarworld: Kapitalschnitt = „Insolvenz light“

Solarworld war über viele Jahre hinweg das Vorzeigeunternehmen der deutschen Solarindustrie. Die steigende Konkurrenz aus Fernost machte dem Unternehmen aber in den letzten Jahren, enorm zu schaffen. Zusätzliche Kürzungen der staatlichen Förderung neuer Energien taten in Sachen Nachfrage ihr Übriges. Verlust 2012: 492,4 Millionen Euro. Schuldenstand 2013: knapp eine Milliarde Euro. Nun ist die Rettung so gut wie in trockenen Tüchern: Die Gläubiger tauschen 55 Prozent ihrer Forderungen in Aktien (Schuldenschnitt), während die alten Anteilseigner durch den Kapitalschnitt nur noch fünf Prozent der Aktien halten. Da kann man durchaus von einer Quasi-Enteignung sprechen. Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), bezeichnete den Vorgang schon in der ersten Jahreshälfte als „Insolvenz light„. Solarworld-Chef Frank Asbeck war bisher größter Einzelaktionär, seine Anteile schrumpfen von 28 Prozent auf zirka ein Prozent. Er will sich seine Anteile mit zehn Millionen Euro aber wieder zurückkaufen. Und dennoch: Den Kurs bestimmen jetzt andere maßgeblich mit. Um so erstaunlicher erscheint die vorgestern veröffentlichte Meldung, dass Solarworld die marode Solarsparte von Bosch übernimmt. Das Echo ist zwiegespalten: Die einen sprechen von Weitsicht, andere von Größenwahn. Auf deraktionar.de prophezeit man gar einen durch den Zukauf beschleunigten Untergang der Solarworld AG. Quintessenz des Artikels: Asbeck ist in Sachen Management unfähig. Tatsächlich gaben bereits zuvor viele Aktionäre Asbecks fehlender Weitsicht die Schuld an der Krise. Asbeck will alles, nur wie er dorthin kommen möchte, ist zumeist völlig unklar. Laut Asbeck wird Solarworld durch die Übername der Solarsparte von Bosch zum «größten kristallinen Solarhersteller außerhalb Chinas», mit einer Kapazität von mehr als einem Gigawatt.

Sicher ist aber doch wohl Folgendes: Die Übernahme der Unternehmung von Bosch war und ist ein zentraler Eckpfeiler im Sanierungsplan für solarworld. Damit erhöht sich aber auch das Risiko erheblich, denn letztlich wir versucht, hier zwei Unternehmen, die ihre Rendite- und Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der letzten Jahre eingebüßt hatten, nun durch Fusion wieder schlagkräftig zu machen. Diesem riskanten Plan müssen die Hauptgläubiger zugestimmt haben. Von daher sollte nun genau beobachtet werden, was dort passiert und wie sich das künftig gemeinsame Geschäft entwickelt. Risiken einzugehen gehört zum Unternehmertum; aber das Zocken mit (fremden) Geld ist etwas völlig anderes.

Wahrscheinlich wird mir jeder beipflichten, wenn ich sage: Es ist mehr als übermütig, die asiatischen Hersteller in Kapazität, Größe und Preis schlagen zu wollen. Meines Erachtens gibt es für Solarworld nur eine Möglichkeit der Rettung: Der Konzern muss sich wieder auf das besinnen, was ihn vor vielen Jahren zum Marktführer machte – also die Entwicklung der besten und effizientesten Module. Nur die Qualitätsführerschaft kann Solarworld retten. Bleibt zu hoffen das der große Coup gelingt.