Die Eigenkapitaldecke des deutschen Mittelstands ist zu niedrig! Diesen Satz liest man alle Jahre wieder in den Medien, oftmals gleichzeitig mit dem Hinweis, dass die Mezzanine-Finanzierungen boomen. Denn hiermit lässt sich die Eigenkapitaldecke stärken, was gleichzeitig die Chance auf günstiges Fremdkapital erhöht. Doch was ist Mezzanine-Kapital eigentlich?

Die eine Mezzanine-Finanzierung gibt es eigentlich gar nicht. Denn der Terminus „Mezzanine-Finanzierung“ beschreibt unterschiedliche Finanzierungsmodelle, die zwischen der Bildung von Fremd- und Eigenkapital liegen – und zwar wirtschaftlich ebenso wie rechtlich. Das macht es an sich schon nicht einfach, diesen Begriff zu fassen. Generell wird mit der Mezzanine-Finanzierung versucht, die Vorteile von Fremdkapital- und Eigenkapitalbildung zu verknüpfen. Im Kern geht es also darum, dass jemand Kapital beisteuert (als Beteiligung oder Darlehen), allerdings dabei auf Mitspracherecht verzichtet bzw. gegenüber anderen Fremdkapitalgebern zurücktritt, zumindest was die Forderungen anbelangt (Rangrücktritt). Auch wenn dieses Finanzierungsinstrument für Krisensituationen eher wenig tauglich ist, möchte ich es an dieser Stelle nicht auslassen.

Wie funktioniert die Mezzanine-Finanzierung?

Die Gestaltung einer Mezzanine-Finanzierung kann völlig unterschiedlich aussehen. Eigenkapitalähnliche Formen finden sich bei Genussrechten und stillen Beteiligungen, nachrangige und patriarchalische Darlehen ähneln vielmehr dem Fremdkapital. Die unterschiedlichen Formen des Kapitals sind nur wenig reglementiert was Laufzeiten, Kündigungsmöglichkeiten, Verzinsung, Gewinn, Verlust und Rückzahlung angeht. In der Regel liegen die Laufzeiten aber zwischen fünf und zehn Jahren. Das Schöne an der Flexibilität: Die Finanzierung lässt sich perfekt an die jeweiligen Bedürfnissen eines einzelnen Unternehmens anpassen. Gleichzeitig hängt aber von diesen Faktoren ab, ob das Kapital haftungs- und steuerrechtlich wie Eigen- oder Fremdkapital behandelt wird. Eine sorgfältige Vorgehensweise ist daher also die oberste Pflicht.

Mezzanine-Finanzierungen; @ cbg.commerzbank.com
Mezzanine-Finanzierungen; @ cbg.commerzbank.com

Vor- und Nachteile

Kommen wir zu den Vor- und Nachteilen von Mezzanine-Finanzierungen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Bei geschickter Gestaltung lässt sich die Eigenkapitalquote stärken, Sicherheiten bleiben unangetastet und können für die Beschaffung von weiterem Kapital genutzt werden. Genau dafür ist Mezzanine-Kapital am besten geeignet. Die Finanzspritze reicht in den wenigsten Fällen für geplante Investitionen bzw. Expansionen. Vielmehr dient sie durch die Verbesserung des Ratings dazu, einfacher an weiteres Fremdkapital zu kommen. Obwohl Mezzanine-Kapital bilanziell als Eigenkapital gelten sollte, kann es steuerrechtlich gleichzeitig wie Fremdkapital behandelt werden. Bei entsprechender Ausgestaltung können die Ausschüttungen an den Kapitalgeber als Ausgaben steuerlich geltend gemacht werden, genau wie die Zinszahlungen an eine kreditgebende Bank.

Größter Nachteil: Mezzanine-Finanzierungen sind sehr viel teurer als Bankkredite oder andere Finanzierungsarten. Da keine Sicherheiten benötigt werden, ist das Risiko für den Kapitalgeber sehr viel höher – was allerdings auch seine Renditeerwartungen steigen lässt. Für Unternehmen in der Krise ist die Mezzanine-Finanzierung daher oftmals untauglich. Denn ein Kapitalgeber kann nicht damit rechnen, dass ein marodes Unternehmen die Renditeerwartungen erfüllt. Sollte es dann auch noch zur Insolvenz mit anschließender Liquidierung kommen, ist der Mezzanine-Kapitalgeber durch seinen Rangrücktritt gegenüber anderen Gläubigern eindeutig im Nachteil.

Einsatzgebiete von Mezzanine-Kapital

Wenn diese Form der Finanzierung also eher krisenuntauglich ist, wo wird sie dann eingesetzt? Insbesondere der Mittelstand mit eher schwacher Eigenkapitaldecke hat seit Basel II Probleme an Fremdkapital zu kommen – selbst wenn das Unternehmen gut läuft und zusätzliches Kapital für erfolgversprechende Expansionen oder Diversifikationen eingesetzt werden soll. Das Mezzanine-Kapital verbessert das Rating und macht die Kreditaufnahme möglich. Bei der Expansion eines properierenden Unternehmens kann der Kapitalgeber relativ sicher sein, dass die Renditeerwartungen erfüllt werden. Des weiteren spielt diese Kapitalform eine große Rolle im Bereich Private Equity; bei fremdfinanzierten Übernahmen (Leveraged Buy-Outs) gehört es daher fast immer zur Kapitalstruktur.