Bisher habe ich Sanierungen vorrangig aus der Sicht von Interim Managerin und Sanierungsberatern betrachtet. Heute werde ich noch einmal einen Schritt zurück gehen: Wie findet ein Unternehmen eigentlich den richtigen Sanierungsberater oder Interim Manager? Dazu hatte ich bereits die Unsicherheiten von Interim Managern bei der Ankunft im Unternehmen beschrieben. Der Interim Manager muss der Geschäftsführung in vielen Belangen vertrauen, schließlich tritt er zumeist mit in die Haftung ein. Doch auch auf der anderen Seite entstehen gewisse Unsicherheiten: Woran erkenne ich als Auftraggeber, ob ein Interim Manager in der Lage ist, ein Unternehmen zu retten? Und besonders wichtig: Woran erkenne ich als Unternehmer, dass ein Interim Manager der Aufgabe eventuell nicht gewachsen ist? Genau darum soll es heute gehen.

Das Portfolio eines Interim Managers

Zunächst steht natürlich das offensichtliche Profil eines potenziellen Interim Managers oder Beraters auf dem Prüfstand – ganz oben der Lebenslauf. Die meisten Unternehmensberater und Interim Manager hatten in ihrer beruflichen Vergangenheit selbst mindestens eine, oftmals sogar unterschiedlich, feste Führungsposition inne. Daraus lässt sich z.B. ablesen, ob ausreichend Erfahrung in der Führung eines großen oder mittelständischen Unternehmens vorhanden ist und ob der Interim Manager schon mit der Branche vertraut ist. An den beruflichen Hintergrund schließt sich direkt das „Sanierungs-Portfolio“ an. Wie viele Projekte als Unternehmensberater oder Sanierungsmanager hatte diese Person bereits, und wieviel davon wurden erfolgreich abgeschlossen? Auch hier ist wieder der Blick auf die Branche wichtig, aber auch der Umfang der Beratungen bzw. Sanierungen. Es gibt kein alles entscheidendes Kriterium: Auch ein branchenfremder Unternehmensberater kann gute Arbeit leisten, ebenso wie ein noch nicht ganz so erfahrener, aber dafür vielleicht innovativ denkender Interim Manager. Auf diesem Blog habe ich es schon mehrfach betont: Innovatives Denken ist von größter Wichtigkeit, wenn man ein Unternehmen nachhaltig sanieren soll.

Bei der Frage nach dem Erfolg und Misserfolg von Projekten muss man allerdings vorsichtig sein. Nicht jedes Scheitern lässt sich vermeiden und nicht jede Rettung ist ein echter und vor allem nachhaltiger Gewinn; auch wenn es auf den ersten Blick danach aussieht. Es kommt immer auf die näheren Umstände an. Was auch noch entscheidend ist: Hat ein Interim Manager mögliche Partner und Zugang zu eventuell notwendigem, zusätzlichem Know-How? Große Beratungsgesellschaften wie PricewaterhouseCoopers haben mächtige Netzwerke, bringen gleich ihre eigenen Banker und Sachwalter mit an den Tisch (etwas überspitzt gesagt). Aber das hat seinen Preis. Doch selbst die Einzelkämpfer unter den Interim Managern und Beratern sind mittlerweile in Netzwerken und Unternehmerverbünden organisiert, haben oft Ansprechpartner, um mögliche Kompetenzlücken schnell zu schließen. Als Unternehmen sollte man sich aber darüber unterrichten lassen, wie auf mögliche Schwierigkeiten reagiert werden kann.

Sanierungsberater und Interim Manager
© Rainer Sturm / pixelio.de

Das persönliche Auftreten

Zum Gesamtpaket gehört natürlich auch das persönliche Auftreten beim Vorab-Gespräch. Wenn Sie als Unternehmer merken, dass der Berater oder Sanierungsmanager Ihnen nach dem Mund redet, können Sie Ihn gleich abschreiben, schließlich soll er dafür sorgen, dass sich etwas im Unternehmen ändert. Ein eigener Standpunkt und Durchsetzungsvermögen sind dafür essentiell. Dass das dennoch nicht mit herrischem Besserwissertum einhergeht, versteht sich wohl von selbst.

Weder Misstrauen noch blinde Gefolgschaft

Ist der Berater oder Sanierungsmanager dann schon im Unternehmen, bedeutet das: Sie als Unternehmer haben ihn für fähig erachtet, das Schiff auf einen besseren Kurs zu bringen. Folglich ist ein gewisses Vertrauen vorhanden, und dieses sollte in der Praxis dann auch gewährt werden. Ein Interim Manager, dem ständig Steine in den Weg gelegt werden, kann wenig Grundlegendes ändern. Blindes Vertrauen ist aber auch nicht die Lösung. Als Unternehmer müssen Sie die Empfehlungen eines Beraters oder Anordnungen eines Interim Managers durchaus nachvollziehen können und auch nachhaken dürfen.

Der Vorteil des externen Beraters oder Managers liegt in seiner Distanz zum Unternehmen. Ihm fallen Fehler und Schwächen im Betriebsablauf viel schneller auf und aus dieser distanzierten Position heraus, liegen Lösungsansätze schnell auf der Hand. Schafft der Unternehmer (bzw. die Geschäftsführung) es selbst ein stückweit diese distanzierte Position einzunehmen, sind Vorschläge oft leichter nachzuvollziehen und es fällt viel der alltäglichen Reibung zwischen externen Interim Managern und Geschäftsführung weg, was die bestmöglichen Chancen auf eine zügige und effiziente Sanierung als Team ermöglicht.