Das Erstellen von Sanierungskonzepten benötigt Zeit. Diese ist aber nicht immer gegeben, da zunächst Sofortmaßnahmen notwendig sind, um eine drohende Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit kurzfristig zu verhindern. Seitenlange Analysen und Konzepte wären hier sträflich, wenn sofort gehandelt werden muss. Vielmehr muss hier oftmals parallel gearbeitet werden. Daher ordne ich die Maßnahmen auch der Kategorie der Sanierungskonzepte zu. In diesem Artikel konzentriere ich mich auf die ergebniswirksamen Maßnahmen. Die liquiditätswirksamen Maßnahmen folgen dann später.

Ergebniswirksame Sofortmaßnahmen

ergebniswirksame_sofortmaßnahmen
Operative Restrukturierungsmaßnahmen mit rascher Wirkung

Zu den ergebniswirksamen Sofortmaßnahmen gehören Aufwandsminimierungen in den folgenden Bereichen:

  • Material-, und Personalaufwands,
  • Sonstige betrieblichen Aufwendungen und
  • kurzfristige Umsatzsteigerungen bzw. -stabilisierungen.

Senkung des Materialaufwands

Notwendige Transparenz ist Voraussetzung für die Reduzierung des Materialaufwand senken zu können; d.h. Volumina, Lieferanten, Produkte, Leistungen und Bestellungen müssen absolut nachvollziehbar aufgeschlüsselt werden. Nur so lassen sich im nächsten Schritt die richtigen Maßnahmen definieren. Das kann eine Senkung der Bezugspreise sein, die Optimierung der Verbrauchsmengen und des Einkaufs- und Lieferantenmanagements sowie die Ausschussquotenminderung sein. Welche Maßnahme letztendlich zum Tragen kommt, richtet sich danach, welche Aufwendungen sich als problematisch und optimierungsbedürftig herausstellen. Sobald die Maßnahmen eingesetzt werden, muss detailliert über weiteren Entwicklungen Buch geführt werden. Nur so lässt sich die genaue Wirksamkeit einzelner Maßnahmen  nachvollziehen. Die Maßnahmen müssen daher regelmäßig aktualisiert und überprüft werden.

Senkung des Personalaufwands

Kommen wir – zumindest für die Arbeitnehmer und deren Vertreter – zum sensibelsten Thema im Krisenmanagement. Maßnahmen zur Senkung des Personalaufwands sind oftmals leider unabdingbar, da sie oftmals auch Arbeitsplätze vernichten. Kein Wunder, schließlich soll hier rasch Geld gespart werden. Transparenz spielt in diesem Bereich erneut eine große Rolle. Die Mitarbeiter müssen die entsprechenden Veränderungen nachvollziehen können. Auf den ersten Blick ist das oft schwer, aber zumindest auf den zweiten, genauen und weniger emotionsgeladenen Blick muss ersichtlich werden, warum wie gehandelt wird. Dabei gibt es drei Stellschrauben, an denen gedreht werden kann.

  • Vergütung der Mitarbeiter
  • Struktur der Belegschaft
  • Umfang der Belegschaft

Die Sofortmaßnahmen lassen sich in fünf Stufen einteilen, die sich von der ersten Stufe mit wenig Konfliktpotenzial zur „Ultima Ratio“ der betriebsbedingten Kündigung steigern. Am Anfang stehen Maßnahmen wir Kurzarbeit, Ausnutzung der Fluktuation, Altersteilzeit, keine Vertragsverlängerungen, Versetzungen und Einstellungstopps. Gehen diese Sofortmaßnahmen nicht weit genug, stehen in der zweiten Stufe die Aufhebungsverträge an. Wie man dabei den Anspruch auf ALG II erhält, habe ich im Glossar notiert. Stufe 3 beinhaltet die interne Ausgliederung in separate Gesellschaften. Die Maßnahme der vierten Stufe ist das klassische Outsourcing, was gleichzeitig zu Aufwandsreduzierungen in weiteren Bereichen führt. An letzter Stelle stehen wie schon erwähnt die betriebsbedingten Kündigungen. Welche Sofortmaßnahmen letztendlich am wirkungsvollsten sind, hängt mit der Struktur des Unternehmens und dem jeweiligen Krisenstadium zusammen. Es ist daher genau zu überprüfen, an welchen Stellen die Effizienz gesteigert und die Organisation gestrafft werden kann – und muss.

Bei welchem Personal fängt man an zu sparen? Auf den ersten Blick erscheinen Einsparungen von unten sinnvoll. Allerdings bringt der Personalabbau in den höheren Gehaltsbereichen deutlich größe Einsparungen pro Mitarbeiter. Dieses Spannungsfeld gilt es aufzulösen.

Senkung der sonstigen betrieblichen Ausgaben

An den sonstigen betrieblichen Ausgaben lässt sich meistens schnell weiteres Geld einsparen. Zwar fällt das 5-Sterne-Catering für das Mittwochsmeeting kaum ins Gewicht, aber Kleinvieh macht eben auch Mist, und wenn man an diesen Services spart, merkt man nach kurzer Zeit, welch große Summen tatsächlich übrig bleiben.

Umsatzsteigerung – sofort!

Es gibt auch Sofortmaßnahmen zur Umsatzsteigerung. Allerdings muss man genau wissen, ob mangelnder Umsatz das Kernproblem ist, oder mangelnder Gewinn. Bleibt vom Umsatz eh nicht genug übrig, ist grundsätzlich erst einmal die Effizienz zu steigern. Fehlen die Gewinne sollte entweder an einer Verbesserung der Kostenposition gearbeitet werden, indem man z.B. die Organisation, die Produktion und den Service effizienter gestaltet oder die Produktivität des Umlauf- und Anlagevermögens erhöht. Mangelt es an Umsätzen, gilt es zumeist, das Kernkundenpotienzial besser auszuschöpfen, neue Kundensegmente oder neue Märkte im Ausland oder in anderen Regionen zu erschließen. Beim letzten Punkt zur Umsatzsteigerung geht es um Innovation. Weiter- und Neuentwicklungen im Produktbereich, neue Geschäftsmodelle und neue Kernkompetenzen sollten geschaffen werden. Innovationen und Kosteneinsparungen sind allerdings in vielen Unternehmen zwei Dinge die sich ausschließen. Insofern ist jeder Fall einzeln zu beurteilen.

 

Im nächsten Artikel geht es dann um die operativen Sofortmaßnahmen zur Steigerung der Liquidität