Jeder kennt den prüfenden Blick ins Portemonnaie: Reicht das Geld noch für eine Tankfüllung? Die Restaurantrechnung? Eine Schachtel Zigaretten? Der prüfende Blick ins Portemonnaie ist die entscheidend für die weitere Handlung. Auf die Betriebswirtschaft übertragen, nennt man diesen Vorgang Kennzahlenanalyse, eines der wichtigsten Werkzeuge im Krisenmanagement. Sie ist letztendlich Basis jeglicher unternehmerischer Entscheidungen. Nicht nur in Krisenzeiten dient sie dazu, Stärken und Schwachstellen im Unternehmen aufzudecken. Sie dient außerdem der Dokumentation und Kontrolle der finanziellen Situation. Ich sage Ihnen gleich: Wenn Sie in der Krise stecken, kommen sie um eine detaillierte Aufstellung der Kennzahlen und eine anschließende Kennzahlenanalyse nicht herum. Sie ist UNABDINGBAR![1. Vgl. hierzu J. Hauschildt u.a.: Erfolgs-, Finanz- und Bilanzanalyse. 3. Auflage. Köln, 1996, S. 3f]

Grundsätzlich lassen sich die Kennzahlen in unterschiedliche Kategorien einteilen. An den Begriffen wird schon ersichtlich, was die Kennzahlen in den Gruppen jeweils aussagen sollen: Es gibt Erfolgskennzahlen, Liquiditätskennzahlen, Rentabilitätskennzahlen sowie Kennzahlen zur Vermögensstruktur (Bilanzkennzahlen) und zur Umschlagshäufigkeit. Heute soll es erst einmal um Erfolgskennzahlen und Rentabilitätsanalyse gehen, wichtige Bestandteile der Kennzahlenanalyse. In den nächsten Wochen folgen dann die Artikel zur Working-Capital- und Liquiditätsanalyse, sowie zur Finanzanalyse. Außerdem wird es noch ein kleines Addon geben, das speziell für Kriseninvestoren wichtigen Kennzahlen behandelt.

 

Erfolgskennzahlen

Am Namen ist schon zu erkennen, was die Erfolgskennzahlen anzeigen sollen. Sie werden in absoluter oder relativer Art angezeigt, dabei orientieren sich die relativen Erfolgskennzahlen am Gewinn oder Unternehmenswert. Praktischerweise werden bei den unternehmenswertorientierten Kennzahlen die Kapitalkosten berücksichtigt.

Die wichtigsten Kennzahlen für den Erfolg lassen sich aus der Gewinn- und Verlustrechnung bereits ablesen. Dazu habe ich unten auch eine kleine Mini-Formelsammlung für die Kennzahlenanalyse Teil 1 mit den in diesem Artikel behandelten Kennzahlen angelegt.

  • Umsatz
  • Jahresüberschuss
  • Cash-Flow
  • EBIT
  • EBITDA
  • Rohertrag
  • Gesamtbetriebsertrag
  • Personalleistung

EBITDA steht für „earnings before interest, taxes, depreciation and amortization“. Wie unten in der unten abgebildeten GuV schon ersichtlich, bezeichnet dieser Wert den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (sowohl auf Sachanlangen, als auch auf immaterielle Vermögensgegenstände. EBIT hingegen bezeichnet den Gewinn vor Zinsen und Steuern, EBT den Gewinn vor Steuern. Die beiden Kennzahlen EBITDA und EBIT gehören oft zur Grundlage für eine Unternehmensbewertung nach der Multiplikator-Methode.

 

 

Grafik 1 der Kennzahlenanalyse
Ableitung relevanter Erfolgskennzahlen aus der GuV

Rentabilitätsanalyse

Wenn es um die Kennzahlenanalyse der Rentabilität geht, stehen oft die Eigenkapitalrendite/-rentabilität (engl.: Return on Equity) und die Gesamtkapitalrendite im Vordergrund.[2. Vgl. hierzu A. Crone: Krisendiagnose und Kennzahlen. In: A.Crone, H. Werner (Hrsg.): Modernes Sanierungsmanagement. 3. Auflage. München 2012, S. 49ff.] Die Eigenkapitalrendite bezeichnet die Verzinsung des Eigenkapitals in Prozent. Sie lässt sich berechnen in dem man den Jahresüberschuss durch das Eigenkapital teilt und mit 100 multipliziert (siehe Grafik). Eine angemessene Rendite ist an dieser Stelle unverzichtbar, damit das Unternehmen bestehen kann. Interessant ist, dass die Eigenkapitalrendite durch die Aufnahme von Fremdkapital, sprich durch Verschuldung, gesteigert werden kann. Allerdings nur, solange die Gesamtkapitalrendite höher ist als die Zinsen des Fremdkapitals. Dabei spricht man vom Leverage-Effekt. Apropos Gesamtkapitalrendite. Um sie zu berechnen addiert man den Jahresüberschuss mit den Fremdkapital-Zinsen und teilt die Summe durch das Gesamtkapital. Das Ergebnis wird dann wieder mit 100 multipliziert (siehe Grafik). Die Addition aus Jahresüberschuss und Fremdkapitalzinsen ist notwendig, um die „Entlohnung des Fremdkapitals“ miteinzubeziehen. Die GKR in der Kennzahlenanalyse beschreibt letztendlich, welchen prozentualen Betrag das eingesetzte Gesamtkapital erwirtschaftet hat.

Inzwischen hat sich allerdings eine weitere Variante der Gesamtkapitalrentabilität etabliert: Der Return on Capital Employed (ROCE).[3. Vgl. hierzu A. Crone, a.a.O., S. 51f.] Im Nenner steht bei ihr nur das langfristige Kapital. Es wird berechnet, indem man die kurzfristigen Verbindlichkeiten und die liquiden Mittel vom Gesamtkapital subtrahiert. Das ROCE wird also berechnet, indem man den Gewinn vor Zinsen und Steuern durch das langfristige Kapital teilt.

In der Grafik befindet auch die Formel für die Umsatzrendite. Der Jahresüberschuss wird einfach durch den Umsatz geteilt und mit 100 multipliziert.[4. Vgl. ebenda.] Einfach und simpel lässt sich damit anzeigen, wie viel Gewinn pro 1 Euro Umsatz generiert wurde. Entsprechend einfach lässt sich die Quote für Personalaufwand, Materialeinsatz und sonstige betriebliche Ausgaben erstellen (siehe Grafik). Die Gesamtleistung setzt sich dabei aus der Summe von Umsatzerlösen, Bestandsveränderungen, aktivierten Eigenleistungen und sonstigen betrieblichen Erträgen.

Kennzahlenanalyse Teil 2 folgt bereits in Kürze…

In der Kennzahlenanalyse Teil 1 sind wir an dieser Stelle auch schon am Ende. In Kürze geht es weiter mit Teil 2, in dem Working-Capital- und Liquiditätsanalyse (auch Cash-Flow-Analyse) näher behandelt werden. Hier geht es zum Artikel Kennzahlen Teil 2: Working Capital und Liquidität.

 

Quellen: