kennzahlenanalyse Teil 1 web

Kennzahlenanalyse Teil 1: Erfolgskennzahlen und Rentabilität

Jeder kennt den prüfenden Blick ins Portemonnaie: Reicht das Geld noch für eine Tankfüllung? Die Restaurantrechnung? Eine Schachtel Zigaretten? Auf die Betriebswirtschaft übertragen, nennt man diesen Vorgang Kennzahlenanalyse, eines der wichtigsten Werkzeuge im Krisenmanagement.

Die Kennzahlenanalyse ist die Basis jeglicher unternehmerischer Entscheidungen. Nicht nur in Krisenzeiten dient sie dazu, Stärken und Schwachstellen im Unternehmen aufzudecken. Sie dient außerdem der Dokumentation und Kontrolle der finanziellen Situation.

Wenn Sie in der Krise stecken, kommen sie um eine detaillierte Aufstellung der Kennzahlen und eine anschließende Kennzahlenanalyse nicht herum. Sie ist unabdingbar für jede Transformation.

Grundsätzlich lassen sich die Kennzahlen in unterschiedliche Kategorien einteilen. An den Begriffen wird schon ersichtlich, was die Kennzahlen in den Gruppen jeweils aussagen sollen:

Es gibt

  • Erfolgskennzahlen
  • Liquiditätskennzahlen
  • Rentabilitätskennzahlen
  • Kennzahlen zur Vermögensstruktur (Bilanzkennzahlen)
  • zur Umschlagshäufigkeit.

Heute soll es erst einmal um Erfolgskennzahlen und Rentabilitätsanalyse gehen, wichtige Bestandteile der Kennzahlenanalyse. In den nächsten Wochen folgen dann die Artikel zur Working-Capital- und Liquiditätsanalyse, sowie zur Finanzanalyse. Außerdem wird es noch ein kleines Addon geben, das speziell für Kriseninvestoren wichtigen Kennzahlen behandelt.

Erfolgskennzahlen

Am Namen ist schon zu erkennen, was die Erfolgskennzahlen anzeigen sollen. Sie werden in absoluter oder relativer Art angezeigt, dabei orientieren sich die relativen Erfolgskennzahlen am Gewinn oder Unternehmenswert. Praktischerweise werden bei den unternehmenswertorientierten Kennzahlen die Kapitalkosten berücksichtigt.

Die wichtigsten Kennzahlen für den Erfolg lassen sich aus der Gewinn- und Verlustrechnung bereits ablesen. Dazu habe ich unten auch eine kleine Mini-Formelsammlung für die Kennzahlenanalyse Teil 1 mit den in diesem Artikel behandelten Kennzahlen angelegt.

  • Umsatz
  • Jahresüberschuss
  • Cash-Flow
  • EBIT
  • EBITDA
  • Rohertrag
  • Gesamtbetriebsertrag
  • Personalleistung

EBITDA steht für “earnings before interest, taxes, depreciation and amortization”. Wie unten in der unten abgebildeten GuV schon ersichtlich, bezeichnet dieser Wert den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (sowohl auf Sachanlangen, als auch auf immaterielle Vermögensgegenstände. EBIT hingegen bezeichnet den Gewinn vor Zinsen und Steuern, EBT den Gewinn vor Steuern. Die beiden Kennzahlen EBITDA und EBIT gehören oft zur Grundlage für eine Unternehmensbewertung nach der Multiplikator-Methode.

Abbildung zu Renditen & GUV
Ableitung relevanter Erfolgskennzahlen aus der GuV

Rentabilitätsanalyse

Eigenkapitalrendite

Wenn es um die Kennzahlenanalyse der Rentabilität geht, stehen oft die Eigenkapitalrendite/-rentabilität (engl.: Return on Equity) und die Gesamtkapitalrendite im Vordergrund. Die Eigenkapitalrendite bezeichnet die Verzinsung des Eigenkapitals in Prozent. Sie lässt sich berechnen in dem man den Jahresüberschuss durch das Eigenkapital teilt und mit 100 multipliziert.

Eine angemessene Rendite ist an dieser Stelle unverzichtbar, damit das Unternehmen bestehen kann. Interessant ist, dass die Eigenkapitalrendite durch die Aufnahme von Fremdkapital, sprich durch Verschuldung, gesteigert werden kann. Allerdings nur, solange die Gesamtkapitalrendite höher ist als die Zinsen des Fremdkapitals. Dabei spricht man vom Leverage-Effekt.

Gesamtkapitalrendite

Apropos Gesamtkapitalrendite. Um sie zu berechnen addiert man den Jahresüberschuss mit den Fremdkapital-Zinsen und teilt die Summe durch das Gesamtkapital. Das Ergebnis wird dann wieder mit 100 multipliziert (siehe Grafik). Die Addition aus Jahresüberschuss und Fremdkapitalzinsen ist notwendig, um die “Entlohnung des Fremdkapitals” miteinzubeziehen. Die GKR in der Kennzahlenanalyse beschreibt letztendlich, welchen prozentualen Betrag das eingesetzte Gesamtkapital erwirtschaftet hat.

Return on Capital Employed (ROCE)

Inzwischen hat sich allerdings eine weitere Variante der Gesamtkapitalrentabilität etabliert: Der Return on Capital Employed (ROCE). Im Nenner steht bei ihr nur das langfristige Kapital. Es wird berechnet, indem man die kurzfristigen Verbindlichkeiten und die liquiden Mittel vom Gesamtkapital subtrahiert. Das ROCE wird also berechnet, indem man den Gewinn vor Zinsen und Steuern durch das langfristige Kapital teilt.

Umsatzrendite

In der Grafik befindet auch die Formel für die Umsatzrendite. Der Jahresüberschuss wird einfach durch den Umsatz geteilt und mit 100 multipliziert. Einfach und simpel lässt sich damit anzeigen, wie viel Gewinn pro 1 Euro Umsatz generiert wurde. Entsprechend einfach lässt sich die Quote für Personalaufwand, Materialeinsatz und sonstige betriebliche Ausgaben erstellen (siehe Grafik). Die Gesamtleistung setzt sich dabei aus der Summe von Umsatzerlösen, Bestandsveränderungen, aktivierten Eigenleistungen und sonstigen betrieblichen Erträgen.

Finanzielle Herausforderung als Chance

Warum sehen hochkarätige Firmen in Zeiten finanzieller Herausforderung oft eine unerwartete Chance statt eines Risikos? Die Antwort liegt häufig in einer strategisch klugen Entscheidung: dem Einsatz eines Interim Managers für die Durchführung einer präzisen Rentabilitätsanalyse.

Mit der Expertise und externen Perspektive dieser Spezialisten können Unternehmen kritische Finanzströme identifizieren, Einsparpotenziale aufdecken und ineffiziente Prozesse optimieren. Interim Management bringt nicht nur frischen Wind in die Analyse bestehender Geschäftsbereiche, sondern auch ein robustes Set an Best Practices und Benchmarks aus einer Vielzahl von Industrien und Projekten. Dies ermöglicht eine tiefgehende und objektive Bewertung der Unternehmensleistung.

Hier spielen auch Elemente des HR Interim Managements eine Rolle, beispielsweise bei der Betrachtung von Mitarbeitereffizienz und -produktivität (siehe auch People Analytics oder auch HR-Transformation). Interim Manager agieren dabei als unvoreingenommene Analysten, die das Potenzial jedes Aspektes des Unternehmens beleuchten können, um einen detaillierten und umsetzbaren Plan zur Profitabilitätssteigerung zu erarbeiten.

Schlüsselqualifikationen eines Interim Managers für die Rentabilitätsanalyse

  • Finanz-Sachverstand: Tiefgreifendes Verständnis von Finanzkennzahlen, Buchführung und Controlling.
  • Analytische Fähigkeiten: Ausgeprägte Kompetenz in der Datenanalyse und Interpretation finanzieller Reports.
  • Erfahrung in der Unternehmensführung: Umfassendes Wissen über Management-Praktiken und Betriebsführung.
  • Branchenkenntnisse: Branchenspezifisches Wissen, um Trends und branchenübliche Margen einzuschätzen (siehe z. B. auch Interim Manager Digitalisierung).
  • Strategische Planungskompetenz: Fähigkeit, strategische Pläne zu entwickeln, die auf den Ergebnissen der Rentabilitätsanalyse basieren.
  • Umsetzungsstärke: Expertise in der Leitung von Change-Management- und Transformationsprojekten.
  • Projektmanagement-Fähigkeiten: Effiziente Planung und Steuerung von Projekten sowie Einhaltung von Fristen und Budgets (siehe z. B. Change Management Methoden)
  • Kommunikationsstärke: Klare und überzeugende Kommunikation von Analyseergebnissen an Stakeholder (siehe auch Change Kommunikation).
  • Objektivität und Neutralität: Unvoreingenommene Beurteilung der Unternehmenslage ohne internen Einfluss.
  • Führungsqualitäten: Erfahrung im Führen von Teams und in der Mitarbeitermotivation (siehe auch High Impact Leadership Model oder auch Employee Experience).
  • Problemlösungskompetenz: Kreatives Denken zur Lösung komplexer Herausforderungen.
  • Technologisches Verständnis: Kenntnisse über digitale Werkzeuge und IT-Systeme, die zur Effizienzsteigerung beitragen können (siehe auch Unternehmensberatung Digitalisierung).
  • Innovationsfähigkeit: Offenheit für innovative Ansätze und Verbesserungsvorschläge.
  • Anpassungsfähigkeit: Fähigkeit, sich schnell an neue Situationen und Unternehmenskulturen anzupassen (siehe auch Transformation Office oder auch Chief Transformation Officer).
  • Netzwerkfähigkeiten: Nutzung eines breiten Netzwerks zur Verbesserung der Unternehmensprozesse und Benchmarking.

Quellen

  • J. Hauschildt u.a.: Erfolgs-, Finanz- und Bilanzanalyse. 3. Auflage. Köln, 1996, S. 3f
  • A. Crone: Krisendiagnose und Kennzahlen. In: A.Crone, H. Werner (Hrsg.): Modernes Sanierungsmanagement. 3. Auflage. München 2012, S. 49ff.