Die PSI-Theorie nach J. Kuhl ist ein ergänzedes Motivationsmodell, dass ich aufgrund der  Kritik an meinem Artikel zum Thema Motivationsmodelle, in dem ich eine Übersicht über einige zum Teil angestaubte Theorien  gab, nun  noch einmal genauer betrachte. 

Die PSI-Theorie als neues Motivationsmodell

Im Gegensatz zu Herzbergs und Maslows Erklärungsansätzen, gestaltet sich die PSI-Theorie deutlich komplexer. Sie bringt die Erkenntnisse unterschiedlicher Psychologen (u.a. Jung, Freud, Pawlow) zusammen und kombiniert diese mit Ergebnissen aus der Neurobiologie. Kuhl geht davon aus, dass es mehrere Systeme gibt und deren Zusammenspiel für Motivationen und damit für den persönlichen Erfolg von Bedeutung ist:

  1. Das Intentionsgedächtnis (IG, bewusst) wird benötigt, wenn schwierige Handlungen nicht sofort unternommen werden können, aber auch nicht vergessen werden dürfen.
  2. Die Intuitive Verhaltenssteuerung (IVS, unbewusst) hilft bei der Suche von Handlungsmöglichkeiten wenn der Zeitpunkt der Ausführung gekommen ist.
  3. Das Extensionsgedächtnis (EG, unbewusst) dient dazu, aus den bisherigen Lebenserfahrungen eine passende Lösung zu erkennen und dabei auch Bedürfnisse und Werte zu berücksichtigen.
  4. Das Objekterkennungssystem (OES, bewusst) hilft dabei, Einzelheiten aus Kontexten zu lösen und gesondert zu betrachten. [1]

Das PSI-Theorie als Ergänzung bisheriger Motivationsmodelle

Ergänzendes Motivationsmodell
Die PSI-Theorie psychischen Funktionierens nach J. Kuhl 

[2]

Persönlichkeits-System-Interaktion als systemische Erläuterung eines Motivationsmodells

Im Zentrum der Theorie stehen nicht nur die Systeme selbst, sondern insbesondere die Interaktionen zwischen ihnen, aus der sich auch der Name der Theorie ableitet: Persönlichkeits-System-Interaktionen. Die Interkationen werden laut Kuhl durch positive und negative Gefühle bzw. Motivationen gesteuert. Die Auswirkungen dieser Gefühle gestalten sich wie folgt[3]:

  1.  Treten im Laufe einer Handlung Probleme auf (Hemmung positiver Gefühle), wird das Intentionsgedächtnis aktiviert und das analytische Denken stärker in den Prozess integriert. Wird diese Hemmung durch positive Gefühle wieder aufgehoben, kommt es zu einer Verknüpfung des Intentionsgedächtnisses mit der intuitiven Verhaltenssteuerung und das „Gewollte wird ausgeführt“.
  2. Negative Gefühle beim Ausführenden sorgen für eine Aktivierung der Objekterkennung. Gehen die negativen Gefühle zurück, werden Erfahrungen aus der Objekterkennung in das Extensionsgedächtnis aufgenommen. Diese Interaktionen sind nach Kuhl und Martens umkehrbar, da die Verbindungen im Gehirn oftmals reziprok sind.

Damit sich die Systeme im ungefähren Gleichgewicht befinden, sind sowohl positive, als auch negative Gefühle wichtig. Beide Gefühle (Motivatoren) können sowohl von außen, als auch von innen kommen. Dennoch ist jedes System von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt. Das erhöht natürlcih auch die Komplexität der PSI-Theoerie.

Von der Theorie zur Praxis mittels dieses Motivationsmodells

Für den „Flow“ innerhalb der PSI-Theorie, das heißt die für den Arbeitsprozess förderliche Motivation, ist es laut Kuhl wichtig,  zur Person den passenden Job zu finden. So bringt der Beruf des Verkäufers zum Beispiel hohe Anforderungen an die Intuitive Verhaltenssteuerung mit sich, da er sich schnell neuen Situationen, Gesprächspartnern und äußerliche Bedingungen anpassen muss. Demgegenüber bedarf die PSI-Theorie bzw. das Modell deutlich mehr akademischen Sachverstandes bei der Anwendung und Umsetzung in die Praxis als die traditionellen Modelle der Arbeitsmotivation nach  Maslow und Herzberg. Zugegebenermaßen ist das Herunterbrechen dieser PSI-Theorie auf die Länge eines Blogartikels ein schwieriges Unterfangen. Wer sich aber tiefer mit der PSI-Theorie auseinandersetzen möchte, dem sei die weiterführende Literatur ans Herz gelegt.

Weiterführende Literatur

Um das Thema zu vertiefen und die PSI-Theorie besser auf die Praxis übertragen zu können, empfehle ich die beiden Bücher, auf die auch ich mich ein meiner Darstellung bezogen haben. Während das Buch „Persönlichkeit und Motivationen im Unternehmen“ eine theoretische Basis für die PSI-Theorie vermittelt und anschließend dabei hilft, die Erkenntnisse für ein Unternehmen zu nutzen, geht es in „Die Kunst der Selbstmotivierung“ mehr um die Einzelperson und das persönliche Wohlgefühl bei der Arbeit. Letzteres behandelt die Theorie deutlich kürzer.

Quellen:


[2] Erg. Anm. d. Verf.: Nach J. Kuhl bedeutet „A+/−“, dass der Affekt aktiviert A(+), A(−), dass er herabreguliert wird. Vgl. hierzu J. Kuhl: Motivation und Persönlichkeit. Interaktion psychischer Systeme. Göttingen, S. 37ff.