Chef ist nicht gleich Chef. Der eine kann Abläufe perfekt planen, organisieren und kontrollieren, der andere schafft es durch scheinbar schieres Charisma, die unterschiedlichsten Persönlichkeiten eines Teams zusammenzuschweißen. Der eine ist Manager, der andere ein Leader und ein Anderer villeicht auch nur ein erfahrener Experte.

Wo sind die Unterschiede?

Die Unterscheidung zwischen Managern und Führern, oder Leadern, hat sich in der Businesswelt in den letzten Jahren zunehmend durchgesetzt und verfestigt. [1. Vgl. hierzu Harvard Business Manager. Heft 4/ 2004: Führung] Während es durchaus gefühlte Unterschiede zwischen den beiden Begriffen zu geben scheint, ist es nicht ganz einfach, diese klar zu umreißen und zu definieren.

Bis lang sind die wesentlichen Unterschiede zwischen Managern und Leadern wie folgt dargestellt worden: Während der Manager Abläufe verwaltet und betreut, ist der Leader derjenige, der die Richtung und den Rahmen für eben jene Abläufe vorgibt.[2. Vgl. ebenda.] Während der Manager effizient ist und das Tagesgeschäft abwickelt, ist der Leader effektiv, visionär und führt Menschen bzw. baut diese auf. Der Manager plant und kontrolliert, der Leader inspiriert und kreiert. Der Charakter des Managers zeichnet sich aus durch das entsprechende Know-how, Methodik und Sorgfalt, der des Leaders durch Leidenschaft, Mut und Flair. Der Leader ist maßgeblich an der Entwicklung und Pflege der Unternehmenskultur beteiligt. Den einen kennzeichnet die wissenschaftliche Herangehensweise, den anderen das Talent und die Fähigkeit andere mitzureißen. Ist der Begriff “Manager” häufig Teil einer Tätigkeitsbezeichung, so ist der Begriff “Leader” eine besondere Zusatzfähigkeit, eine Art Persönlichkeitszug. [3. Vgl. hierzu: A. Zaleznik: Managers and Leaders: Are they Different. In: Harvard Business Review 2004]

 

Sind Leader die besseren Manager?

Auch wenn Leadership häufig mit einer romantischen Aura versehen wird, so ist es der Manager, der sich laut klassischer Theorie um die normalen Abläufe des Tagesgeschäftes kümmert, die weniger romantisch scheinen: Sicherstellen, dass Budgets eingehalten und Leistungen korrekt in Rechnung gestellt werden, die Maschinenwartung regelen und sich mit Mitarbeitern auseinandersetzen, die ihre Aufgaben eventuell nur unzureichend erfüllen. Der Erfolg eines jeden Unternehmens basiert jedoch nach wie vor auf Durchführung, Kontrolle und Disziplin, Systematik, Prozessen und Kontinuität. Manageraufgaben also. Ohne diese Grundvoraussetzungen produziert auch der talentierteste Leader nur Seifenblasen.

Leader geführt oder geleitet von Manager?!

Ist Führung erlernbar?

Ist Leadership also angeboren und im Gegensatz zum Management nicht erlernbar? Interessanterweise ließe sich sowohl Manager als auch Leader mit “Führungskraft” übersetzen. Eine Führungskraft, also jemand der für die Arbeit anderer die Verantwortung trägt, führt und leitet ihre Mitarbeiter nach Bedarf. Der Unterschied zwischen Leader und Manager besteht im Führungsstil: Der Leader hat erkannt, dass hervorragende Ergebnisse am nachhaltigsten erreicht werden, wenn die Mitarbeiter emotional eingebunden sind. Diese Art der Einbindung lässt sich erlernen, denn ihre Grundvoraussetzung ist nicht das in die Wiege gelegte Charisma, sondern das Einsetzen der Emotion des Führenden selbst. Eine aufschlussreiche Parallele, um dies zu veranschaulichen, ist in der Fußballwelt zu finden: Der Enthusiasmus und Optimismus, der die deutsche Nationalmannschaft und auch das Land selbst 2006 erfassten, hatten ihren Ursprung zu großen Teilen in der Führungskraft von Jürgen Klinsmann, der es verstand nicht nur taktische Prinzipien und Disziplin zu vermitteln, sondern mit seiner Vision und der eigenen Involviertheit andere emotional mitzureißen.

Schlussfolgerungen

Ist die Schlussfolgerung für die Businesswelt also, dass ein Manager-Leader die Idealbesetzung ist? Um erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen sich auf einigen Gebieten ständig verändern und simultan auf anderen Gebieten Kontinuität beweisen. Innovation und Beständigkeit basieren jeweils auf unterschiedlichen Mentalitäten. Wer seinen Spitzenmanagern erlaubt, die Ausübung dieses Spagates zu erlernen, wird sicherstellen, dass sie als Führungskräfte die angemessene Facette, Manager oder Leader gepaar mit dem notwendigen Expertenwissen, je nach Bedarf bedienen können.