Seit kurzem ist das careerloft online. Hierbei handelt es sich um ein exklusives Karrierenetzwerk der Bertelsmann-Tochter Medienfabrik, dass gemeinsam mit den beteiligten Unternehmen (von Audi über Bertelsmann und The Boston Consulting Group bis hin zu SAP) die berufliche Entwicklung junger Talente bei Top-Unternehmen förden will. Das Angebot richtet sich in erster Linie an ambitionierte Studenten und Absolventen aller Fachrichtungen.

Hybrides Personalmarketing für junge Talente

Idee, Zielgruppe und Anprechpartner von careerloft

Careerloft bringt in einem exklusiven – d.h. geschlossenen – Netzwerk talentierte Studenten und Absolventen mit attraktiven Arbeitgebern zusammen und bietet dazu ein umfangreiches Förderprogramm an.

Bewerben sollten sich junge, talentierte Studenten und Absolventen aller Fachrichtungen, die umittelbar über ein Netzwerk mit großen attraktiven Arbeitgebern in Kontakt kommen wollen und eine individuelle Förderungen erhalten möchten.

Als Ansprechparner stehen neben dem Recruiter-Team von careerloft und den Personalverantwortlichen der beteiligten Partnerunternehmen auch einige Praktikanten und Absolventen zur Verfügung, die in Berlin-Kreuzberg ein Loft bewohnen und von dort über unterschiedliche soziale Netzwerke über ihre persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen berichten.

Dieser neue Ansatz versucht die Herausforderungen unserer Zeit – wie Fachkräftemangel, Globalisierung, verändertes Medienverhalten, etc – als Chancen zu begreifen und eine Alternative für alle Beteiligten darzustellen.Limitierende Beschränkungen gibt es nach Aussagen von Gero Hesse, dem zuständigen Geschäftsführer bei der Medienfabrik, im Interview ggü. wollmichsau zunächst nicht.

Vorteile

Aus Sicht der Bewerber

  • Gleichzeitige Adressierung mehrer attraktiver Arbeitgeber
  • Umfangreicher Content um die Partnerunternehmen, Studium und Karriere
  • Aufgreifen konkreter Fragestellungen aus der Zielgruppe
  • Transparente Berichterstattung über den careerloft-Blog
  • Nach Einstellen der Bewerbungsunterlagen in die Datenbank haben die beteiligten Unternehmen die Möglichkeit, unmittelbar auf die Bewerberdaten zuzugreifen und mit diesen ins Gespräch zu kommen

Nach Aufnahme in das Förderprogramm zusätzlich:

  • Persönliches Mentorenporogramm
  • Ergänzende Prämien wie Zeitungs-Abos, Sprachtraining, Karriere-Coaching

Aus Sicht der beteiligten Partnerunternehmen

  • Nicht nur zusätzlicher Rekruting-Kanal, sondern Zugriff auf einen unternehmensübergreifenden Bewerberpool
  • Prio-B-Kandidat eines Unternehmens kann bei einem anderen Unternehmen sehr wohl Prio-A-Kandidat sein
  • Das Bewerbermangementsystem ist individuell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Unternehmen anpassbar
  • Bewerberdatenbank wird regelmäßig aktualisiert

Nachteile

Aus Sicht der Bewerber

  • Im Fokus geht es hier natürlich um die Identifizierung und Förderung echter Talente
  • Personengebundene Bewerbungsdaten werden in einer weiteren Datenbank aufgenommen

Aus Sicht der Unternehmen

  • Bewerberauswahlverfahren aufgrund unterschiedlicher Unternehmen vermutlich deutlich generalisiert[1. Anm. d. Verf.: Diese Vermutung wurde aufgrund des u.a. Kommentars von Gero Hesse nachträglich gestrichen.]
  • Höherer administrativer Aufwand, da zusätzliche Datenbank
  • Unmittelbarer Wettbewerb um die generalistischen Talente

Meine vorläufige Bewertung des carerrloft-Ansatzes

Eine interessante, neue Initiative als Shared Services-Ansatz im Bereich Employer Branding für talentierte Bewerber und beteiligten Unternehmen gleichermaßen. Die offene Kommunikation über Social Media trägt dabei den Gewohnheiten der jungen Generation Rechnung. Obgleich ein Praktikum „Arbeiten und Wohnen in einem Loft und dann auch noch darüber aktuell berichten“ sicherlich nicht jedermanns Geschmack sein wird. Zudem finde ich, dass dieses Initiative ausgesprochen modern und medienwirksam aufgesetzt ist; ist ja nun auch die Kernkompetenz der Medienfabrik aus Gütersloh (und somit sicherlich auch die Erwartungshaltung der beteiligten Unternehmen).

Insgesamt überwiegen gegenwärtig  aber die Vorteile eindeutig ggü. den Nachteilen. Zumal alle Beteiligten entsprechende Mehrwerte haben. Insbesondere das Bewerberdaten einer Mehrzahl an Unternehmen zugänglich sind, begrüße ich außerordentlich. Dieser Ansatz wird ja auch von younect energisch verfolgt.

Die harsche Kritik von basiscthinking, dass es sich hierbei de facto nur um ein erweitertes Assessment-Verfahren handelt, dass überwiegend auf günstige Praktikanten zurückgreift, kann ich gegenwärtig nicht teilen. Sicherlich kann es Risiken geben, wenn Arbeit und Privates über einen längeren Zeitraum miteinander vermischt werden; und dass bereits in jungen Jahren. Allerdings überwiegen doch gegenwärtig die Chancen (Praktikum mit der Möglichkeit zahlreiche Unternehmen kennenzulernen, freies Wohnen in Berlin sowie eine Praktikantenvergütung). Und das sich die teilnehmenden Unternehmen dabei auch präsentieren und vermarkten, finde ich gar nicht schlimm. Im Gegenteil: Besser als eine der Standardpräsentationen von unmotivierten „HRlern“ auf diversen Jobmesse, die zumeist völlig am Interesse der Zielgruppe vorbeigehen. Allerdings bin ich bei den ausgewiesenen Zeiträumen für die Förderung noch ein wenig skeptisch. Nachhaltige Förderung wird vermutlich länger dauern und bedarf der präzisen Abstimmung aller Beteiligten

Demgegenüber ist es gegenwärtig noch ein wenig schwierig, hier maxmale Transparenz zum Meinungsbild zu erhalten. Ein erster Ansatz ist sicherlich der von humancaps, die es mit einem Hintergrundinterview mit einem der beteiligten Projektmanager versuchen. Aber letztlich bleibt nur, dieses interessanten Ansatz weiter zu verfolgen, dabei ggf. auch kritische Aspekte aufzugreifen und diese dann mit den beteiligten Akteuren zu erörtern.

Quellen: